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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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561
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ehernen Fug, auf seinen unerschütterlichen Glauben an Dauer und Weiter-wachstum der Kraft, die die Götter ihm gaben, erfüllt alle, die um ihnsind, mit dem Stolz und der Zuversicht, das Leben nach seinem Vorbildzu bändigen und in seinen Bahnen voranzuführen. Sie lernen an ihm dennie ermüdenden Eifer im Wesentlichen und das leichte Dahingestelltsein-lassen in Nebendingen, den schnellen Zugriff wie den langen Atem inGefahren, den schicksalfrohen Loswurf in der Entscheidung, aber auchdas ruhige männliche Beharren in den Widerwärtigkeiten der Zeit, dasWartenkönnen auf die Gunst der Stunde.

Wenn Stürme und Erschütterungen diese Seele beben machen, leidetsie menschlich und trostbedürftig vor dem Vertrauten, ja Zorn und Schmerzdringen sie tiefer als andre an und bedrohen das erregbare leidenschaft-liche Geblüt mit jähen Stößen. Aber durch alle Erregungen waltet einEtwas, ein mehr-als-persönliches Fühlen, das noch den Tröster mit Trosterfüllt. Keine Zerrissenheit noch Selbstqual erschüttert je diesen innerstenGrund, kein Leid noch Mitleid verletzt diese geheimnisvolle Würde, derenUnverrückbarkeit dem menschlichen Vorbild des Meisters den göttlichenZauber verleiht und denen die ihn erfahren haben, das reinste Bewußtseinirdischer Erfüllung gibt: vor einer ewigen Gestalt zu stehen und mit ihrden gleichen Weg zu wandeln.

»Alles in seiner Art Vollkommene geht über seine Art hinaus". Derdichter George, der in seinen Gesängen die Bilder heldischen MenschtumsSc huf, ist über seine dichterische Wirkung hinaus der Erwecker einermännlich-heldischen Jugend geworden, und das Schönste was wir auf Er-den sahen, war das Zusammenschlagen jugendlicher, ja auch schon gereif-ter Seelen, die sich in der gemeinsamen Ehrfurcht und Liebe zum Führerfanden. Es waren meist fast entgegengesetzte Naturen, die sich einer amandern entfalteten und dann den Schicksalsweg des Lebens mit doppelterSpannkraft beschritten: Der eine etwa von weitausladender Gebärde, her-rsch, sprunghaft, offen glühend und verwegen, der andre verschlossen,Undurchdringlich, von immer gleicher verhaltener Geste, tief innen glü-hend und nie auf getan. Oder: der eine schwank und von prinzlicher An-m ut, kühlen Herzens und kecken Selbstvertrauens, aber mit einer ver-schwiegenen Schwermut in seiner südlichen Heiterkeit, der andre schwer-flüssig und trotzig, fast kindlich an Lebensgewandtheit vor dem Weltklü-Seren aber zugleich von der Bogengespanntheit, aus der die Gewißheitkhngt, daß sein Pfeil einst im Flug mit den Besten wetteifern darf.

Die unerklärliche sternhafte Beständigkeit des Meisters aber ist, daß er|n der Mitte solcher Bünde immer bewegt und bewegend steht, daß ihmlr nmer wieder zuteil wird, was für die meisten ein einmalig großes Ge-36 5 6i