schehnis ihres Lebens ist, daß ihm die junge Liebe immer neu gedeiht undkeine frühere erstirbt. Denn wie bei allen großen Menschen ist sein gei-stiges Selbst, sein Genius, alterslos. Seit er ganz zu sich selbst kam, ist erder gleiche klar und entschieden in sich ruhende Mensch. Alle Erinnerun-gen, die jüngst bei seinen französischen und deutschen Jugendbekanntenaufgetaucht sind, haben uns nur bestätigen können, wie unverändert seinWesen durch die Jahrzehnte geblieben ist: schon im Jugendlichen diefrühe Gewißheit einer verantwortungsvollen Trägerschaft, die gleichescheue Verschlossenheit bei großer Sicherheit der Haltung, die auch ausWerk und Tun des Mannes unverwandelt spricht. Da er menschlich ganzerfüllt war, als er begann, so zeigt auch weder sein Leben noch seineDichtung eine Entwicklung in dem Sinne auf, daß die Grundzüge gewech-selt hätten oder unbekannte Keime erst sichtbar geworden wären. Geradedie Unwandelbarkeit und Einfachheit der Grundzüge ist das Kennzeichenseiner Art. Denn der Große ist reif und rund durch göttliche Mitgift, undNapoleon war mit siebenundzwanzig Jahren vollkommner und entwickel-ter als alle Feldherren gereifter Jahre und langer Erfahrung. Nicht erwandelt sich, sondern die Taten oder Werke des Großen erscheinen alsneue Wandlungen und Mischungen mit dem Stoff der Welt an ihm, derselbst der unverwelkliche und unsterbliche Genius bleibt.
Diesem alterslosen Blühen des Geistes entspricht bei George das immerrichtige Verhältnis zu den Lebensstufen des natürlichen Werdens. Di eStufung der Alterszeit vollzieht das Wachstum selbst und jede Stufe vonder Kindheit bis zum Greisentum hat durch das Gesetz des Lebens ihr evollkommene Wesenheit in sich. Je vollkommener der Mensch ist, um s°weniger erscheint eine Stufe vor der andern minder an Wert, wie uns nacnden hohen Beispielen Piatons und Goethes der lebende Meister von neuemgelehrt hat. Er lebte jede Lebensstufe ganz in der ihr gemäßen Form undprägte, wie wir schon zeigten, in seinem Werke die Eigenkraft einer jedenzum vollkommenen Bilde aus. Wie nach vorgedachtem Plane, so erschienes Simmel schon, hat George die Stufen des Alters gelebt und gestaltet,aber das Kunstwerk seines Lebens erscheint uns wie das seiner Dichtungso planvoll aufgebaut, weil der hohe Wille des Genius in seiner wandel'losen Ruhe jedem tätigen und leidenden Andrang des werdenden Lebenssein Gesetz und seine Form gab. Niemand kann wissen, wo es das Wer»nicht verrät, welcher Kämpfe und Bezwingungen, welcher Ausschließen"gen und Entsagungen es bedurfte, um das Bild dieses folgerechten WachS'tums zu erzeugen und dieses schicksalbeladene Dasein zu dem Punkte zführen, wo der Dichter das vor Göttern und Menschen seltne und schwerWort sagen durfte: „Mein leben seh ich als ein glück". Wenn der Däm 0 '
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