schreckhaft die Herzen öffnete, die demütige des Franziskus, welche schen-kend und leidend die Nachfolge erzwang, die flammende Dantes, welcheihre Glut durch Hölle und Himmel trug und noch die Gemeinschaft derToten suchte, wo der Lebende einsam blieb, die gläubige Hölderlins,welche ganz Sprache wurde um die zukünftigen Liebenden, die Dichter,zu gewinnen. Hier aber möge ein Lebender vom Lebenden bezeugen, daßdie Art der Liebe Georges die zarteste und härteste, schlichteste und un-durchdringlichste ist: voll leichter weltmännischer Anmut und schmerz-lich tiefem Ernst, im Scherz noch schicksalbeladen, in der Schwere nochvon nie ermüdeter Flugkraft beschwingt. Klar und heiter ist alles wasaus der freundhaften Güte, fest und unerbittlich alles was aus der werk-haften Strenge dieser Liebe strömt. Der Meister ballte die entgegengesetz-testen Charaktere zu einer begeisterten Lebensgemeinschaft zusammenUnd löste sie wieder auf, wenn ihr fruchtbarster Tag überschritten waroder, kaum merkbar noch, die Gefahr sie bedrohte, daß die EinzelnenSchon im gegebenen Kreis ihr Genüge fänden. So tief und verehrend erjedes geistige Erbe bewahrte, so unbedingt und wankellos seine Freund-schaft war, so schroff und rücksichtslos war er gegen alle verengende undlähmende Gewohnheit, gegen das Alltäglich- und Selbstverständlichwerdender lebendigen Bewegungen des Geistes und der Freundschaft. Der künst-lerische Trieb des immer neuen Entzündens und Schaffens bestimmte auchdie menschlichen Beziehungen zu seinen Gefährten und auch die ältestenUnd bewährtesten durften ihr Verhältnis zu ihm nicht auf das Recht desbloßen Daseins bauen und auf den Lorbeern eines langen Bestandesschlafen. Wo ihm freiwillige Glut entgegenschlug, gab er sie doppelt2 urück, wo sie versagte, verschloß sich sein Wesen von selbst. Er warntew ohl leise vor irrigen Wegen, deutete Gefahren an, wie sie jeder Lebens-stufe besonders eigen sind, aber weder befahl er noch verbot er je. Wera ber seinen Winken nicht folgte, mußte notwendig ferner rücken, und were üie Provinz der Freundschaft einmal verloren hatte, gewann sie nichtnieder, mochte er auch andre noch behalten. Doch niemals nahm Georgee inen völlig abgerissenen Faden wieder auf. „Was ich einmal gesagt habeUnd was damals nutzlos war, kann ich nach Jahren nicht nochmals sagen",Meinte er einmal, „es ist unwürdig für beide Teile".
Wer, der das „Vorspiel" und den STERN DES BUNDES kennt, könnte2 Weifeln, daß dieser Meister die lange Milde und Geduld vor den fehl-baren und fehlenden Menschenkindern übte, unter denen er stand unddenen all sein Sorgen und Mühen galt! Aber eben da er mit ihnen imVerhältnis der größten Freiheit und Freiwilligkeit stand, jedem den wei-tsten Raum gewährte und von jedem nur das Dargebrachte nahm, so
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