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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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großen unerschöpflichen Herzens, ohne das nährende hegende Dunkel die-ser bis zur zenithenen Unerbittlichkeit sonnenhaften Natur.

Es ist freilich die männlich harte Liebe, welche ihm mitgegeben war:Sie stand nicht mildernd oder erweichend neben seinem Formtrieb undBezwingerwillen, sondern mußte sich in ihnen erfüllen: sie hatte keinRecht sich zu verschenken, als wo sie zeugen, kein Recht sich zu ver-strömen, als wo sie gestalten und bilden konnte. Dichten und lieben,lieben und wirken hieß die unabänderliche Paarung, die kreisende Svastikadieses Lebens, und seine strenge, nie verletzte Geschlossenheit beruhtedarauf, daß die Arme des Sonnenkreuzes in allen Stürmen ihr Gleich-gewicht zueinander wahrten und keiner mitteflüchtig wurde.

Wir haben im Verlauf unserer Erzählung gesehen, wie diese Gefahreiner jeden Kraft dieser mächtigen Seele drohte. Die Gedichte von derFIBEL bis zum NEUEN REICH verkünden immer neu das Wechselspielvon Kampf und Bändigung zwischen der drängenden Leidenschaft unddem Gesetz der dichterischen Berufung, zwischen dem Trieb in der Stillezu gestalten und zu hegen und der Lust, die Zeitmasse anzugreifen undunter den herrscherlichen Willen zu zwingen, zwischen der verschwie-genen Bewahrung des geheimen Wissens und dem hellen Ruf der Ver-kündung, des Aufrufs wie des weithin schallenden Jubellauts. Aber derDichter der seine Leier zerschellen und den Tempel seines Gottes ver-lassen wollte, hat seine aufbegehrenden Wallungen bezwungen, immerschöner und größer das Spiel gerührt und nie einen falschen Ton irrtWandel seiner Lebensstufen angeschlagen: nie dem Jüngling in den Mundgelegt, was dem Manne, nie der gereiften Weisheit des Alters was derJugend geziemt. Der Werker, der die Wahnträume eines Algabal geträumt»der die verzehrende Glut des weltverwandelnden Täters in sich brennenfühlte und sich mächtig genug deuchte, gegen eine Welt von stolzesterSelbstberühmung und Machtfülle in die Schranken zu treten, ist auch amschlimmsten Punkte seiner Bahn nicht der Verführung erlegen, den zwei'ten Schritt vor dem ersten zu tun, sein Werk und Reich einem kurzenRuhme zu opfern und die Gefolgschaft der Menge zu suchen, die für einNichts zu haben und um ein Nichts zu verlieren ist. So hat auch derglühendste Minner das eherne Gesetz gewahrt, bis er sich in dem erfüllenkonnte, was die ganzen Kräfte des Genius vollendete und in der höchstenLiebe zugleich die strahlendste Dichtung und die Mitte des Reiches schuf-Keine der schönen Frauen, deren Gestalten sein Frühwerk uns bewahrt»hatte ihn lösen, keine der fürstlichen Freundinnen und linden Geleite'rinnen ihn fesseln können, kein Lehrer noch Führer erschloß den Knaben»keiner der stolzen Freunde aus fünf benachbarten Völkern hatte den

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