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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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sagen würde, und seine Herrschaft müßte im schwachen Stoff despotischwerden: eineabsolute" Form, die seiner eignen lebendigen nicht ent-spricht. Er muß im Widerstände der Starken sein Reich gründen, siemüssen als Eigene sein Werk und Wesen aufnehmen: müssen etwas habenund sein, damit sein Samen in nährendem Grund gedeihen kann.Nichtwas einer nützt, sondern was einer ist, fällt ins Gewicht". Erst wenneiner Kräfte besitzt, kann er überhaupt so nahe kommen, daß George sichseiner annehmen und etwas aus ihm machen kann. Liebe ohne Tatkraft,Verehrung ohne Können, sind diesem männlichsten aller Werker fremd,ja beinah lächerlich, und wer nur für die friedliche Welt gerüstet ist, wird>n seiner Nähe bald matt und wund. Wer aber ohne an eine Einrichtungoder Satzung gebunden zu sein, vor der herrscherlichen Mitte das rechteGefühl für sein Verhältnis zu ihr und zu seinem Rang unter den andernbewahren konnte, der war allen Lagen des Lebens gewachsen.

Ungeschützt in diesem Kreis freiwillig Dienender war nur der Herr-scher selbst: ihn konnte verlassen und verraten wer und wann er wollte.Er duldete neben den Festen und in sich Ruhenden nicht weniger gerndie Leidenschaftlichen und immer Bewegten um sich oder die Schweifen-den voll alter Weisheiten Bosheiten und Grausamkeiten, die leicht ge-neigt waren, ein altes Gut preiszugeben, wenn dafür ein Augenblicklicheswinkte, einen Ausbruch zu begehen, wenn er ohne Folgen bliebe. So langeder eine sie fest bindet, kreisen sie um ihn aber wehe ihm, wenn er dieGlitte nicht sicher hielte! So steht er unter den Seinen: der Ungeschützte,der dennoch für alle durch sein bloßes Dasein, durch sein Kommen oderGehen, Bejahen oder Verneinen Gesetz und Schicksal ist und dessen ganzeHerrschgewalt darin besteht, daß er sich abwenden oder entziehen kann.

5. KAPITEL: DAS WESEN UND WIRKENGEORGES DER MEISTER

GEORGE ist der Meister. Es waltete, wie wir sahen, in seinem Lebenein unaufhörliches und nie unterbrochenes Hin- und Wiederströmenz wischen dem dichterischen und herrscherlichen Plane seines Wesens. SoWeltenfern sein geheimnisvolles Selbst stets in unberührter Ruhe zu ver-irren scheint, so unaufhaltsam fließt doch die Bewegung zwischen jenenPolaren Kräften, und Reich wird zu Werk, Werk zu Reich, Welt zu Dich-tu ng und Dichtung zu Welt. Diese wirkende Einheit aber hätte nicht stattohne die dritte und innerste Kraft, die ihn beseelt: ohne die Liebe dieses

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