tief er damit die Deutschen traf, die immer von jenen Wunden sprechen,aber sie um Gott nicht heilen möchten, zeigte der fast burlesk anmutendeHaß und die fast unbürgerlich heftige Beschimpfung des „Kreises", derzunächst nichts tat als Gedichte machen und zum Meister halten. Daßhier ein Führer eine Gemeinschaft um sich sammelte, deren Stimme inseinem Geiste klang, deren Tun und Lassen seinen Geist atmete, war derunverzeihliche Anstoß für die Zeitgenossen, war im Letzten ein Vorwurfgegen sie selbst und für einige vielleicht ein schmerzender Anruf aus demtiefsten Traum der deutschen Seele, den sie vergessen oder verratenhatten.
Alle große weltliche Dichtung bei den alten und neuen Völkern ist ingeschlossenen Kreisen entstanden, deren Träger durch eine geistige undleibliche Lebensform von der Menge geschieden waren. George hatte denRaum erst wieder zu schaffen, in der eine solche Gemeinschaft leben undgedeihen konnte. Während unsere Väter noch auf der letzten schonbrüchigen Grundlage einer alten Welt bauen konnten, stand George vordem völlig Basislosen — sonst wäre sein Versuch nicht berechtigt ge-wesen, sich auf einen Punkt außer der Zeit und Gesellschaft zu stellen.So aber mußte er „aus einem Staubkorn den Staat", aus seinem Worteeine geistige Welt erschaffen. Wir lernten sie kennen als die Welt desschönen Lebens, in der noch das dunkelste Geschick sich in Werk undTat befreiend erfüllt und alle Zwiespalte des tragischen Daseins in derGestaltung und Selbstvollendung von Mensch und Gemeinschaft gebän-digt werden. Wir lernten sie kennen als das festliche Leben, in dem derGleichgang des Alltags und die Schwermut der Arbeit den verschönendenStrahl, ja ihr höheres Recht erst aus der gemeinsamen Feier und be-freienden Freude erhielten. In dieser Sphäre verschmähte George nicht»sich neben dem Größten um das scheinbar Kleinste zu bemühen, denn fürseinen herrscherlichen Sinn war das äußere leibliche Gebaren nicht minderwichtig als das bedeutende geistige Tun. Schön-Schreiben, Auswendig"lernen und Gut-Hersagen, all diese heute verschmähten Herrlichkeiten»sind ihm ein ebenso wesentlicher Ausdruck menschlicher Art und Hai"tung wie den Griechen, denen Schön-Singen und -Tanzen können e»nZeichen der guten Erziehung war. Und wenn es sich träfe, daß bei einemMenschen sich eine schöne geistige Art und damit zusammenstimmen»ein schönes Äußere vereinte, so daß ein und dasselbe Wesen beides trüg*'so deuchte das Piaton wie George der schönste Anblick. George g'°gfreilich auch auf diesem Felde den langsamen Weg. Er sucht nicht d' eKraft eines Athletenkörpers zu züchten, bevor der Geist die innere Bi'"düng des Ganzen in alle Glieder strahlen kann. Denn wer den veredelten
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