wurde bejahend oder verneinend angegriffen und das kleinste Kampffeldabgesteckt. In den Gedichten und Prosen der Blätter aber wurde, wieHölderlin es geweissagt hatte, die Stimme der Dichter als eine besondereund neue Welt einer Welt ohne Dichter entgegengesetzt: es trat sogleichein Gesamt zutage, das das ganze Leben in sich befaßte. Der Dichterforderte das in sich runde Werk, der Herrscher den in sich runden Men-schen: eins sollte am andern wachsen und wer das eine nicht sein konnte,vermochte auch das andre nicht zu leisten.
Dies ist der Doppelsinn der „Schule" Georges: er lehrte die Menschendichten, indem er sie dichterisch leben lehrte. Auch als der Bereich desTätigen sich über das Gedicht und selbst das Kunstwerk hinaus er-weiterte, blieb dieses Verhältnis von Leistung und Leben, gemeinsamemTun und gemeinsamer Haltung sich immer gleich. Denn es handelt sichin dieser Schule nicht um Übermittlung dieser oder jener Verfahrungsartoder Mache, worin im letzten nur fertige Künstler sich verstehen undWovon sie am liebsten schweigen. Die Schule kennt nur auf den erstenAnfangsstufen etwas Lehrbares und Erlernbares im Handwerksmäßigen,auf allen höheren ruft sie Vorbild und Wetteifer, die Stachel der LiebeUnd des Ruhmes, auf. Und von der höchsten Stufe des gemeinsamen Ler-nens und Werdens weiß auch der Meister wie Piaton nur zu sagen, daßder Funke von Seele zu Seele überspringt.
Was George zu schaffen hatte, um den Schatz der Überlieferung zufahren, war eine neue Ebene der Überlieferung, auf der das Erlebte nichts tarr bewahrt, sondern von jedem im gleichen Geiste umgeschaffen undn ach seinem Maße der Welthaltigkeit neu gestaltet wird. Was George imGedichtkreis geschaffen hat, ist im Kern das Gleiche was er in seinem^enschenkreis von drei bis vier Generationen schon erreichte: den ge-schlechterlangen Atem, das Anhalten des Tones auf einer erreichten^öhe, den Verzicht auf die individuelle Willkür um des gemeinsamenB aues willen. In einer Zeit, wo alle Spannungen und Belastungen diee hemals durch Alters- und Adelsstufen, durch bluthafte und geistige Ge-meinsamkeiten, durch Erbe und Übereinkunft erzeugt wurden, überhauptni cht mehr als Werte der staatlichen und menschlichen Bildung galten,w o sie nur noch als Hemmungen und Störungen der Freiheit der Ver-tage gesehen wurden, in dieser Zeit schloß George für die Seinen diea lte deutsche Wunde der Vereinzelung und die neue der Uberlieferungs-iosigkeit und fratzenhaften Gleichheit. Er überwölbte mehrere aufein-a nderfolgende Geschlechter durch seinen geistigen Rhythmus, indem erihre Unterschiede und selbst ihre Widerstände nicht aufhob, sondern ine iu Lebensgesamt von gemeinsamem Fühlen und Wollen einbezog. Wie
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