Menschen will, dem ist Verrohung ebenso verhaßt wie Uberfeinerung,und erst der geistige Adel macht für ihn den Leib anmutig und schön.
Wie alle Bilder seines Werkes diese Menschenart der gespannten wiegelassenen Kraft, des Tauglichseins für Kampf und Tanz verkünden, sosuchte George sie unter den lebenden Deutschen in jeder keimhaftenForm der Empfänglichkeit. Wie wir den Dichter das ihm Gemäße an-ziehen, das Ungemäße aus dem Werk verstoßen sahen, so sichtete derHerrscher die leiblichen Menschen nach dem inneren Gesetz seiner Welt,zog an sich was wandlungsfähig war, ließ fallen was versagte und be-rührte nicht einmal was fremden und feindlichen Wesens war. „Dennwer in der Welt etwas wirken will", sagte er, „muß Eines sicher wissen:nämlich was nicht geht".
Als der Jüngling in die fremden Länder ging, fand er dort überall diegleiche Menschenart, den Bürger und Arbeiter, und sein Auge richtetesich noch nicht auf die Unterschiede der Völker und ihres besonderenstaatlichen Baues. Sein eigenes Wunschbild vom Menschen war so weitentfernt von den europäischen Grundformen, daß deren Verschiedenheitvor jener wesentlichen Unterscheidung.nicht sichtbar wurde. Woher denne ine unbekümmerte Sicherheit in der Ablehnung, auch im Ausland, kam,die ihm erlaubte sein inneres Bild unerschüttert durch die Jahre desLernens zu tragen. Als dann das Bewußtsein seiner Sendung zum Wirkendrängte, fühlte er wohl, daß noch eine empfängliche Schicht für seininneres Bild vorhanden war, aber diese nötigste geistige Voraussetzung*Ür sein Wirken gab noch keine Gewähr für die Verwirklichung seinerlebendigen Welt. Wo der Genius wirken soll, muß der Herrscher erobern,nieist widerstreben die Kräfte seinem Einbruch, sperren sich seiner männ-lichen fordernden Gewalt und der menschliche Stoff, mag er noch soe mpfänglich sein, ist je weniger wandlungswillig je größer sein Eigen-wert ist. Niemand stand am Beginn bereit, George aufzunehmen, erniußte die Seelen in seine Sphäre ziehen, mußte sie allmählich durch-dringen und mit seinem Geiste trächtig machen, er mußte die Unwilligenw ülig, die Spröden geschmeidig machen, um sie seiner Artung anzu-^hneln. Es war dies, wie wir sahen, zuweilen ein Kampf um Werk undLeben, nicht bewußt auf ein Ziel hin geführt, aber aus dunklem nötigemDrang, der schon in der Jugend den rechten Freund und Gefährtenforderte.
Irn ganzen Pariser Kreis war niemand, der dem innern Fordern genügt"ätte. Man könnte sich hier am Beginn wohl das Erscheinen eines Men-schen denken, der alle Kräfte aufrief, um den zu werben und zu siegenlohnte — es wäre vielleicht die glücklichste Lösung gewesen! Statt dessen
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