arten, wie unsere Namenpaare für ihn besagen, sind in Georges Personzusammengekommen und durch die dritte umfassendste Kraft seines We-sens, durch die Kraft der schöpferischen Liebe so verbunden, daß sie ein-ander stetig im Wechsel befruchten und die unvergleichliche Einheit vonBildnertum und Führertum schaffen, als welche George vor uns steht.Denn, so sagte Reinhold Lepsius schon in der Frühzeit: „Ihr sprechtimmer von George und dem und jenem Dichter. Das ist nicht richtig.Er ist nicht vergleichbar mit andern Modernen, diese haben nur zweiDimensionen, er drei, und zwischen Kräften von solchem Unterschiedfehlt jede Vergleichbarkeit". Wenn wir daher am Schluß unserer Blätter-geschichte noch kurz versuchen, ein Bild der Person dessen zu zeichnen,der all dies schuf und weckte, und Größeres schaffen und wecken wird,so fassen wir die Unterschiedenheit seines in Werk und Reich verdich-teten Tuns am ehesten mit den Namen Dichter und Herrscher, die Ver-bundenheit aller seiner Kräfte am ehesten mit dem Namen Meister.
George ist der Dichter. Vom frühsten Versuch an, seine innere Be-wegung in einer selbsterfundenen Sprache auszudrücken, war er der Dich-ter und blieb es in solcher Unbedingtheit, daß alles Handeln und Denkenseines Lebens von seinem dichterischen Drang bestimmt wurde. Nachdemder zu Unrecht von Goethe abgezogene Begriff des Dichters als deslyrischen Bekenners rein persönlicher Gefühle, im 19. Jahrhundert völligv erdünnt und entleert worden war, war der Name des Dichters fast ver-schollen oder verächtlich geworden. George hat uns den Dichter wiedera ls den begreifen gelehrt als den das Altertum ihn begriff: als Seher undVerkünder. Noch im Namen, den Horaz dem Dichter gibt: Vates, ist dasWissen lebendig, der Dichter habe den tieferen Blick als die andern Sterb-üchen. Wenn wir heute den Dichter wieder „Seher" nennen, was ver-anlagt es, ob wir damit meinen: er ist von der Gottheit in ihr Geheimniseingeweiht, oder: er sieht in allem Dasein das zutiefst Wirkliche — beidesis t gleich fernab von einer Neuzeit, die im Dichter am liebsten den Fa-bulierer, also den Vortäuscher des Nicht- und Niemalswirklichen begreift.v on alters her schrieb man dem Vates auch die Kunde der Zukunft zu*— die Probe aber die man heute darauf machen wollte: „Was hat derdichter geweissagt? Wieviel ist davon richtig eingetroffen?" heißt unsn »chts als kindisches Tasten am Grob-Äußerlichen. Nie war und wollteGeorge sein: ein Wahrsager der gauklerische Zufallstreffer tut in dasn °ch Ungeschehene — und ebensowenig das was man gleichfalls mit-ü nter für Prophetie ausgab: der Lobredner der jeweils bestgelittenen^eitmeinungen oder Gesellschaftswähne. — Wenn wir vom Dichter alsPr opheten sprechen, so meinen wir etwas von den dunkelsten bis zu den
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