tes das Leben von seinen gewordenen Formen zu lösen und wieder in wer-dende Formen zu binden. Denn nur der kann „des Weibes Werke auf-lösen", wie wir den Geheimspruch verstehen, der das Urmütterliche wiederzum Werke zwingt. Leben erscheint nur in „geprägter Form", seine Blut-leuchte schimmert nur in der geschlossenen Haut seiner Gewächse, undwenn sie zu schwach oder starr geworden sind, die pochende Fülle zu fas-sen, schafft der nur neues Leben, der seine glühendste Kraft ins schönsteGebilde bannt.
Von diesem Blickpunkt aus sehen wir George im NEUEN REICH über-all zu einem Dunkel-Ursprünglichen vordringen und ein Lichtgestaltetesdaraus lösen. Niemals verliert er sich an das Unfaßlich-Ungestalte, anein Außermenschliches, sondern noch Erde und Meer, Natur und Schicksal,Mächte und Kräfte erscheinen zwischen den Polen des Göttlich-Mensch-lichen und Halbmenschlichen als menschliche Bilder, als Bereich beseelterLeiber und also dem Griff des Geistes erfaßbar und formbar. Wohin derZauber des Wortes nicht zu dringen vermag, wo die Liebe nicht klingt,•st auch kein Leben, kein Reich und sinkt das seellos Gebliebene der All-lacht mit dem seellos Gewordenen der Zeit in den Schlund des Nichtwirk-lichen und Ungeschöpflichen hinab. Bis dorthin reicht noch die Klage desBildners: das nicht ins Wort und also nicht ins Reich Gebannte bleibtdunkler Umkreis: nicht Gewonnenes und vielleicht nie zu Gewinnendes,v on dem niemand wissen kann, ein Unerforschliches und Unbefragbares' n jedem Punkt der Welt, aus dem das Grauen des Maß- und Grenzen-losen uns anweht. Nur ein Seufzer im Lied verrät, daß der Dichter dieseFrenzen der gestaltigen Welt berührt hat, für die es kein Zeichen gibt.Für alles was innerhalb ihrer liegt sinnt er taglang „aufs wort für unsernne uen weg", befragt er die Norne nach dem nacktesten Zeichen und stößtdurch jahrtausendalte Lagerungen der Bildung und Geschichte bis zumle *zten Grund eines Geschehens, durch Wachstumsringe und Erstarrungs-Sc hichten bis zum anfänglichen Kern eines Vorgangs durch. Dieses seinStreben von Anbeginn in den weiten Kreisen seiner Bahn hat im NEUEN**ElCH den kleinsten Sonnenbogen, den Urlaut, gefunden und was erbe nennt, hat ein Stofflich-Elementares erhalten, als seien die geistigen Bil-de r aus den Grundstoffen selber geballt. Erde und Meer, Licht und Luft inl **ren einfachen Erscheinungsformen sind wie nie noch in seinen Werken^ er Schöpferton, aus dem er die beseelten Wesen seiner Gesichte schafft.Au s Flamme und Morgen, Wind und Quell formt er die Leiber und imlet zten Lied erscheint unser Geschlecht wieder kultur- und geschichtlos,Ja noch ohne Sonderung und Merkmal, ohne Sünde und Schuld als der reineUrsprüngliche Mensch, das Kind der Natur wie alle Dichter und Denker
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