und Liebende ihn ersehnen: der edle und schöne göttliche Sohn der Erdeund des Lichts.
Vor diesem klarsten Bilde wird uns am ehesten deutlich was demNEUEN REICH seine besondere Färbung gibt: es ist die geschärfte Blick-tiefe Georges ins Elementare Anfängliche und Keimhafte, die ihm denAufbau der Gestalten und Ereignisse aus ihren einfachsten Grundwertenerlaubt. Der immer die geistigste Form der Dinge sah, schaut nun auchihre stoffliche Verbundenheit im All, der immer den schlichtesten Sinnder Ereignisse faßte, spürt nun auch den verborgenen Herzschlag imfernen und nahen Geschehen. Ganz bis ins Innerste und Äußerste ist dieWelt seine Heimat geworden und die Linien ihrer Erscheinungen ver-flüchtigen sich nicht wie sonst beim alternden Künstler, sie sind vielmehrnoch schärfer, wuchtiger und körperlicher geworden. Alle Verhältnissevon Mensch zu Mensch, Natur und Gott, vom Führer zu Schar und Volk,vom Einen zu den zahllos Vielen sind klar gegeneinander abgesetzt, mitscharfen Konturen umrissen, das Farbige ist seltner geworden, aber dieplastische Dichte, die körperliche Geste noch gewichtiger, ausdrucksvollerund losbeladner als früher. Auch der Gesamtton des Werkes hat einenoch größere Spannungsweite und Fülle erhalten als einer je vorher.
Wie beim Erscheinen aller Werke Georges ist auch das erst allmäh-liche Hörbarwerden des Tones im NEUEN REICH ein Unbegreifliches,das sich keinem vergleichenden Prüfen erschließt. Der vorher noch un-geborene ist da, noch fremd und unbegriffen erschüttert er uns und wirduns verwandt indem er uns sich anverwandelt. Was nach dem früherenReichtum überrascht ist zunächst die Mannigfaltigkeit und Neuheit derMaße, dann die nochmals mögliche Steigerung des monumentalen Klangesnach der einen, der schwebenden liedhaften Singweise nach der anderenSeite. Dort drohen die stürmenden und wuchtenden Bewegungen desleidenschaftlichen Geistes zuweilen fast die Formen zu sprengen, aber sieballen nur die drängenden Gluten in den knappsten gespanntesten Ring :beim „Hyperion" in einen festen Reigenschritt, beim „Gehenkten" i"einen eisigen Blankvers, beim „Geheimen Deutschland" in eine kurze Be-schwörungsrune. Auf der Gegenseite sind die Schwingungen noch süße fund sinnlicher geworden, die Lieder haben weder etwas von der Tonartdes Balladesken noch der persönlichen Gefühlslyrik aufgenommen, ih fCMelodien sind geistiger als jene und stofflicher als diese: ein geheimnis-voller Zusammenklang von elementarer und seelischer Musik. ZwischenHymne und Lied haben die Gespräche und Sprüche noch ihre besonderenMerkmale: die blitzhafte Handlungsschnelle der einen und die treffsichereEntscheidungsformel der andern hat dem Rhythmus des Blankverses w« e
534