Untergange aufzeichneten, war freilich hundert Jahre später in Gefahrauch in seinen untersten Wurzeln verloren zu gehen. Es gab im Zeitalterder „Naturschutzgebiete", des untergegangenen Handwerks und einerrationalistischen Bauern- und Arbeiterschaft keine „Volksseele" mehr, diedas von oben Empfangene nach ihrem Sinn umformen und noch wenigereigne Klänge und Lieder erzeugen konnte. Die man als Volksdichter an-pries, waren gerade dadurch bezeichnet, daß keiner von ihnen Erlebnisseund Geschehnisse seiner Schicht zu singen vermochte, sondern krampfhaftdie der Nächsthöheren suchte. Wer aber die Wirklichkeit „Volk" nicht inden unteren sondern in der Gesamtheit aller Schichten und Stände suchtund weiß, daß die besten „Volkslieder" von Goethe sind, der wird begrei-fen, daß auch die dumpfste Wesenheit, wie sie in Märchen und Weisensich äußert, heute nur in der vollsten Menschlichkeit des Volkes, also inseinem größten Dichter noch lebendige Wurzeln, daß nur in ihm der ur-tümliche Schatz aus Ahnenschaft und Bodenzauber noch Wohnung hat,daß nicht in der gnadenlosen Luft moderner Hast und Vernünftelung son-dern nur in seinem Reiche das neue Lied erklingen konnte. Wir haben er-zählt wie er zwischen fruchtbarster Scholle und heißestem Licht, zwischenPflanze und Tier, Werker und Schiffer der Heimat aufwuchs, wie er seinLeben hindurch mit offenem Auge über „Markt und Ufer" ging — selbstbei der schlichten Einfalt suchte er Wissen und Weise des Volks bis hin'ab zu den Rätseln der Kinder. Weil er auch dies zu seinem hohen Wissenfügte, weil sein Blut auch das Einfach-Dumpfe zu seiner hellen Geistig'keit besaß, erhielt sein Lied das alterlose weil alle Alter umfassende Merk-mal des volkhaften Tones. Es hat den kindlichen Märchenklang und dieknabenhafte Schwermut der Sage, die opfer-trotzige Jünglings- und her-bere kältere Mannesstimme alter Weisheit, bis hin zum leisen bilddunklenLaut des Greises, es hat die wahre Stimme des Volkes im ununterscheid'baren In- und Miteinander der Geschlechter und im unaufhebbaren Bunder ewigen Toten und der ewigen Jugend.
Um die Einbeziehung all dieser äußersten Lebensschichten in das die»'terische Werk ganz zu verstehen, müssen wir von der Kraft Georges spr e 'chen, das Ursprüngliche zu schauen und zu beschwören. Was Kosmik eund Mystiker vergeblich gewollt: das Urleben in seiner vom Schutt deJahrtausende unbelasteten Macht aus der Allnacht heraufzuführen odedie Seele in ihrer von den Schlacken des Stoffes befreiten Reinheit in daAll-Licht hinaufzuleiten, was weder die Urgrundschwärmer durch deZug ins untere Nichts noch die Seelenschwärmer durch den Flug ins obeNichts vermochten: der Dichter allein, den sie als Nur-Künstler verachteten, vermochte in den menschlichen Grenzen durch den Zauber des W°
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