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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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satz zwischen Genius und Allgemeinheit weg, zwischen der Menge unddem Einsamen der das Gesetz bricht, um es neu zu erfüllen, der den Frevelam Leben auf sich nimmt, um es neu zu gestalten. Daher spricht nicht lei-dendes Dulden und Entsagen sondern Prometheischer Hohn aus dem Ge-henkten, der die Schwäche der Opferer und die weltraddrehende Kraft desGeopferten kennt. Für einen Augenblick zuckt das sinnlose und wider-rechtliche Schicksal der Genien, an dem sich die Fragwürdigkeit der gan-zen Menschenwelt zu offenbaren scheint, an der Ununterschiedenheit vonVerbrecher und Erlöser in der noch mythenlosen Nacktheit des Ge-schehens auf.. nur das Dennoch des Triumphes mildert das grauenhafteSchauspiel und gibt jenem Zweifel die Antwort: Es ist ein göttliches Ge-setz, daß die besondere Art des Leidens, die jeder große Zerbrecher alleinerlitten hat, von denen als Gesamtheit wieder gelitten wird, in denen ersiegt.. sie werden seines Glückes teilhaftig nur um den Preis den er selberzahlte; sei es den des tragischen Heldentums, der erlösenden Duldung»des abgründigen Wissens oder der mitleidlosen Gestaltung.

Von dieser Weitung menschlicher Geschicke kehrt sich der Dichter indenSprüchen" wieder zum engsten Kern seines Reiches zu Schülern undBrüdern, Folgern und Freunden, zu den Lebenden und Toten seines näch-sten Lebenskreises. Von denNeuländischen Liebesmahlen" der erstenHYMNEN bis zur Freund- und Liebesgemeinschaft im STERN DESBUNDES sahen wir diese persönliche Runde in allen seinen Werken er-scheinen und mit der wachsenden Entfaltung des Reiches sich wandeln undmehren. Vom ältesten Freundesgeschlecht taucht hier nur Albert Verweyauf in der leidvollen Auseinandersetzung von Mann zu Mann und Volk z uVolk, die wir geschildert haben .. von den auch im Stern nicht mit NamenGenannten des mittleren Geschlechtes nur wenige. Es sind im wesent-lichen die Jüngeren und Jüngsten, in denen sich das gemeinsame Lebenspiegelt und an deren Mitgeschicken man erkennt, mit welchem Schwer'gewicht jedes persönliche Verhältnis zum Meister beladen war. JedefNahestehende oder Nähertretende stand vor ihm als vor dem entscheiden-den Urteil über sein Wesen und Können, einem Urteil, das wohl strengtoder milder sein aber niemals fehlen konnte, da die Wesenstreue oder -u n "treue des Schülers zu sich selbst zugleich das Glück oder Leid des Meisterselber war. So spiegeln die Sprüche das Allein- und Selbandersein der ern-sten und heiteren Stunden und sprechen von Freude und Rausch aber nichminder von Sturm und Gefahr des Bundes: es fallen Worte in ihnen d» evom frohen Erwachen und vom Wind der gemeinsamen Träume sagen»aber auch solche vom Drohen des Dunkels, vom Bangen am Schicksalsranund blutenden Händen vor verschlossenem Tor, die blitzhaft Glück un530