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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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529
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sind, aber eben darum das Wichtigste für ein Reich bedeuten, dem in einerWelt erschöpften Blutes und Bodens kein Ort des Blühens mehr gegebenschien, für das die Götter erst das Unerdenkbare schaffen mußten:neuenräum in den räum".

Nach dieser innersten Zusammenziehung der dichterischen Sichten deh-nen die Handlungen der vier Gespräche sie zum weitesten Bereich desMenschlichen aus. In ihnen gestaltet der Dichter die ewigen Gegnerschaf-ten unseres Menschentages, die zu allen Zeiten lebendig sind aber an dengroßen Wenden ihre besondere und scharfe Prägung erhalten: sie erschei-nen bei Bruch oder Bewahrung der Sittentafeln als ungebändigte Naturu nd geistige Ordnung, Blutkraft und Gesetzestreue, Erneuerung undWelke des staatlichen Menschtums. Es sind stets sich bedingende MächteUnseres Erdendaseins, aber sie treten in den äußersten Widerstand gegen-einander, wenn der Umlauf der Säfte zu stocken beginnt und ein großerMensch das Lebendige gegen das Sterbende und Tote aufruft. Danns Prengt wie imBrand des Tempels" der Barbarenführer die überfeinerte^ildungswelt, dann stößt der Herr den sehnsüchtigen glaubensbereitenSucher von sich, der nicht genügt, dann warnt der Drud, der Wachstums-Seist der dumpfen Fruchtbarkeit, den hellen vernünftigen Menschen vorder letzten ordnenden Nutzung der natürlichen Kräfte, vor der tötendenEntzauberung des unenträtselbaren Lebens. Die bisher gepriesenen Ge-ilten verkehren sich in schädliche und geschmähte: der hochmütige Ver-band in sich selbst vernichtenden Frevel, die scheingerechte Gläubigkeit in°hnmächtige Schwäche, die prunkende Endkultur in hilflose Weichlich-keit. Diese Umkehrung steigert sich in dem neuen GesprächDer Ge-henkte" bis zur Aufhebung der selbstgewissen Tugend im verachteten Ver-zechen. Der Gehenkte ist in eine ungeheure Entfernung von allem Er-nannten und Fürwahrgehaltenen der Zeit gerückt und steht in einer grau-samen Vereinsamung, wie alte Holzschnitte den Kruzifixus in der leerenLandschaft zwischen Himmel und Erde zeigen. Wie Schmach zu Ruhmü nd Schuld zu Glorie wird, spricht hier der Mund des Gerichteten fast an-teillos, da das Schicksal erfüllt ist.. fast feindschaftslos, da die Gegenweltsic h im eigenen Urteil aufhebt, und wie immer an den Wenden der Zeits ieht der Brecher der Tafeln fernab über jene hinweg, die bald verehrenUn d erhöhen müssen, den sie eben peinigten und erniedrigten. Er weiß umd ie Verwandlung vom Verachteten zum Gepriesenen, ja vom Gemarterten2 Um Heiland: der Verdammte wird dereinst zum Richter seiner Richter,de r Verfemte zum Gott seiner Verhöhner. Man mag an Ketzer oder Mär-tyrer, Nietzsche oder Napoleon, Sokrates oder Christus denken das'Urchtbare Bild reißt für einen Augenblick den Schleier vom ewigen Gegen-

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