lischen Gentleman''. Wer sich dieser Form nicht nähert — sei er Arbeiter,sei er Andersgläubiger oder Fremdländer — hat keine Aussicht zu einerhöheren Stelle zu gelangen. In Frankreich erzieht man zum advokatisch-ausgebildeten, schlagfertigen Journalisten — ohne diese Eignung kein Er-folg im staatlichen und gesellschaftlichen Leben. In Italien wird jetzt derEinheits-Italiener schon in den Kinderschuhen mit Erfolg geprägt: dermilitaristische Italianissimo. In Rußland wird man zum SowjetgeschöpfSedrillt — sonst sind die Kinder herrenloses Rudel. Doch in diesem LandSchafft die Knute das Regulativ, sei sie in zaristischer oder bolschewiki-scher Hand. In Amerika wird bei der Erziehung dem Dollar-tüchtigenMenschen eine fast kindische Verhimmelung des „freien Amerika" einge-pflanzt, das Geistige aber nur geduldet, weil es doch nötig erscheint unde in so großes reiches Volk sich auch das Geistige leisten kann. Einen sol-c hen „Idealtypus" haben wir nicht. Doch bemerkte ein von Zynismusn icht Freier der Jüngeren, daß wir bereits mit Glück darauf hinarbeiten:dieser Idealtypus sei der Ullstein-Deutsche.
All unsern Reformern fehlte ein klares einheitliches Bild desMenschtums,R ach dem sie die Jugend hätten erziehen sollen. Vor dem Bilde des dichte-rischen Menschen aber, das der weiseste Bildner der Zeit lebendig und wir-kend unter sie stellte, bekreuzigten sich die Väter und Lehrer mit jenerFurcht der Seele vor dem Einbruch höherer Mächte in das bürgerliche Da-Se in mehr als vor Krieg, Pest und Hurerei. Im Deutschland Goethes er-scholl nun der Angstschrei: „Wir sollen und können unsere Söhne nicht2u Dichtern erziehen". (Burdach, Die Renaissance.) Sondern? Zu wissen-Sc haftlichen Menschen! Wobei noch mit ausdrücklicher StellungnahmeS e gen die neue Auffassung der Bildung betont wurde, daß es sich nur umMenschen des analytischen kritischen Denkens handle, nicht um solche"^it den Schaugerichten allwissender und unfehlbarer Synthese".
Aber, nachdem die Pädagogen fast ohne Ausnahme den Bankerott derr ein rationalen Erziehung verkündet hatten und die Staatslenker ihre Schul-Wäne auf der Erkenntnis aufbauten, daß die Gleichsetzung von Erziehung^it wissenschaftlicher Erziehung für immer abgetan wäre, kam der Rück-TXx i, der von unseren Universitäten ausging, zu spät. Die Jugend glaubtn icht mehr an das Ideal der wissenschaftlichen Erziehung durch Anstalten,Welche selbst der wissenschaftlichen Pädagogik mißtrauisch ihre Tore ver-Sc hließen, da sie schon im Hinblick auf ihren Gegenstand, den ganzen Men-den nämlich, irrationaler Elemente verdächtig ist. Die HochschullehrerSe lbst, welche sich ernstlich um diese tiefe Not unseres Volkes kümmern,Rauben nicht mehr an die Möglichkeit einer einheitlichen Bildung auf An-halten, die selbst den genossenschaftlichen Charakter der wissenschaft-
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