Piaton und George berufend das erotische Ideal der Jugenderziehung ver-kündeten und hohe Worte und Werte zu persönlichen Reizungen miß*brauchten: was mit erloschenem Traum und voll Selbstüberhebung ausihren Händen kam, war für immer verdorben.
Die ernsten Bestrebungen richteten sich auf die Erneuerung oder Um-formung unseres Schulwesens und suchten vor allem drei Dinge mitein*ander zu vereinen, um aus der Schulerziehung ein neues deutsches Mensch-tum hervorgehen zu lassen: die Körperbildung, die Unterrichtung in de" 1Wissensgebieten und den Geist der Volksgemeinschaft. Hierbei vergaßman, daß diesen drei Dingen das Richtunggebende fehlte: eine Vorstellungder ebenmäßigen Körperlichkeit, eine zusammenfassende Anschauung desWissensstoffes, ein geistiger, nicht parteilicher oder wirtschaftlicher, Bc-griff der volklichen Einheit. Die Dinge nennen und an Deutschland den-ken, heißt schon ihre Unvereinbarkeit erkennen. Sie brachten statt derVereinfachung nur eine große Vermehrung der Schulformen und Lernbe-reiche ohne ein neues Bildungsziel. Denn die gerühmte „Gesamtpersönlich-keit" sollte auf allen Stufen der Jugenderziehung dadurch geformt werden,daß sie möglichst viel vom Leben, das heißt von der ungeheueren Vielfaltdes modernen Lebens, dem die Jugend schon außerhalb der Erziehungs*anstalten schutzlos preisgegeben war, in sich aufnähme: die neuen Leibes-übungen, die ganzen aufgehäuften Schätze der Künste und Wissenschaftenund die unüberschaubaren Gebiete der werktätigen staatlichen und kirch-lichen Volksgemeinschaft. In all dem gab es aber nach der Revolution nocnweniger als vor ihr eine geistige Einheit, ohne die eine Erziehung schlech-terdings unmöglich ist. Welche Erziehungslehre und welche Schulformman auch betrachten mag: wie ein Riß durchläuft sie die Gegensätzlichke»und Unvereinbarkeit der Spannungen unseres seelischen und völkischenDaseins und das „neue" Humanitätsideal klafft von der Grundschule b» szur Hochschule in unheilbaren Widersprüchen auseinander. Wenn einst La*garde im Hinblick auf die Unvereinbarkeit der drei großen geschichtlichenReligionsgesellschaften mit dem nationalen Staate sagen konnte: „Einendeutschen Staat hat es noch nie gegeben", so können wir vom Blickpun»der noch tausendfach vergrößerten Gegensätze unseres modernen Lebenmit mehr Recht sagen: „Eine deutsche Schule hat es noch nie gegebeund gibt es auch heute noch nicht". Alle Mischungen und Ausgleiche habedas Wirrsal unserer Jugenderziehung nur vermehrt, alle wahllosen Aleihen von hier und dort erreichten nur das Gegenteil des Gewollten.
Zwischen der deutschen und den ausländischen Arten öffentlicher »_Ziehung besteht der folgende grundsätzliche Unterschied. In allen eng 1 -'sehen Schulen wird auf einen bestimmten Typus hin erzogen: den „eng
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