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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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stand man vor der tiefen Wandlung im geistigen Gefüge der Zeit, die zu-erst außerhalb der Wissenschaft in Dichtern, Künstlern und Philosophenihren Ausdruck gefunden hatte, und für die man keine anderen Ursachenanzugeben wußte alseine gewisse Erschöpfung der geistigen Möglich-keiten in den bisherigen Gleisen". (Zeitschr. f. Deutschkunde, Herbst 1925.)Die Not lag tiefer und der Stoß der Wandlung war schwerer als auch dieErnstesten ahnten. Aber sie folgten dem neuen Drange zum Erziehungs-willen, verließen die alten Gleise, und ganz Deutschland wurde ein Ver-suchsfeld für die Pflege und Ertüchtigung der Jugend. Zu schildern wasan unsinnigen Versuchen und Reformen ausprobiert, verworfen und wiederProbiert wurde, würde diese Blätter zu sehr belasten. Mit deutscher Gründ-lichkeit durchforschte man alle Beziehungen neu zwischen Körper undSeele, Einzelnem und Gemeinschaft, Wissen und Leben, Führendem undGeführten und holte sich wieder Rat bei den größten Menschenbildnern:Unseren klassischen Dichtern. Was Nietzsche schon vor sechs Jahrzehntenl n das lautlos schweigende Deutschland gerufen hatte, gestanden nun viele:daß der hohe Traum unseres klassischen Idealismus nach kurzer Blüte keineErfüllung im deutschen Menschtum gefunden hätte. Gerade die gerühmte^enkfreiheit wäre das offne Tor gewesen, durch das der uns wesensfremdefestlichePositivismus" einbrach und unsere Wirtschafter und Wissen-Sc hafter wohl zu den größten Einzelleistungen befähigte, aber den Blick aufdie gesamtmenschliche Bildung völlig verschüttet hatte. Es mag sein, wie"fian entschuldigend anführte: daß wir durch diese Hölle der StofflichkeitenSehen mußten, um unseren Wirklichkeitssinn für die harten Weltkämpfe2 U stählen. Aber die Enkel der großen Dichter durften diesen Durchgangnic ht mit dem Erlöschen des gesamtmenschlichen Sinnes bezahlen, nichtBildung mit fachwissenschaftlicher Schulung verwechseln und im reinenFachmann und Fachbeamten die erwünschte und allein berechtigte Men-Sc henart preisen. Man erwachte wie aus einem bösen Traum und alle Er-2 Jehungspläne der letzten Jahrzehnte suchen der Jugend Schutz zu bietenSegen die einseitige verstandliche Ausnutzung und wieder die handelnden,a nschauenden, sinnlichen Kräfte in ihr zu stärken. Man sah: der Mensch,st nicht nur ein intellektuelles Wesen, er ist ein körperlich Ganzes aus Leibü nd Geist, Trieb und Vernunft, Eigen und Erbe, Land und Licht, er istau ch als Kind schon ein unantastbares Selbst, und es bleibt die schwerste^ünst: es mit ungebrochenen Kräften zum Träger des gemeinsamen Gei-te s im Volke aufzuziehen.

So weit die Erkenntnis! Aber sie diente zu nichts bei der Ausübung die-f er schwersten Kunst, in der das Tasten und Versuchen schwerere Sündelst als in jeder andern. Wir schweigen von den Süchtlingen die sich auf

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