des Grauens liebten, der den Unversehrten immer beim Anblick großerMächte berührt", aber nicht die Kraft und den Mut hatten, dieser Liebedas einzig sinnvolle Opfer ihrer selbst und ihrer ziellosen Freiheit zu brin-gen. Das Wort Zucht in seinem Munde hatte ihnen einen zu harten Klang»und wenn sie sich Geist von seinem Geiste nannten, so verwahrten sie sichzugleich vor dem Dienenwollen seiner engeren Anhänger. Sie durften sichnicht an „eine enge Schule binden und die Erschütterung von außenfliehen". Sie sahen in Jüngertum und Gefolgschaft die Gefahr der geistige 0Versklavung: sie ahnten nicht, daß man sehr stark sein muß um der Hin'gäbe fähig zu sein. Aus der heimlichen Erkenntnis ihrer Schwäche mußtedie Jugend, wie es in der „Schule der Gemeinschaft" heißt (1925), sich vordem Anheimfall wahren, mußte protestieren gegen die Vorwegnahme derWirklichkeit durch die Idee und wollte nicht in „Georgescher Haltungfern von der Tragik des heutigen Geschehens ein Privatleben führen. Ebendies aber wurde das Los der Jugend, die „sich selbst erlösen" wollte, undnur die wenigen, die sich aus der inneren Freiheit der Verneinung und demheillosen Verströmen an ein Nichts mit vielen Namen lösten, zeigten daßdas stärkere Blut in ihnen pulste und sie fähig machte, Glück und Härteeines staatlichen Lebens zu ertragen.
Gleichläufig mit der Jugendbewegung und eingestanden oder uneing e 'standen von den Triebwellen getragen die von den Mahn- und FluchredenNietzsches und der Dichtung Georges durch das deutsche Geisteslebenfluteten, liefen die hundertfachen Bestrebungen nach einer Erneuerung derJugenderziehung. Die Gründung von freien Schulgemeinden, Schulen an 1Meer, Schulen in der Heide, Schulen auf den Bergen, von platonischen Ak3'demien und Weisheitsschulen, die Umwandlung der staatlichen Schulf° r 'men und die Erneuerung des Hochschulbetriebes bezeichnen nur die äußer'sten Grenzen all der tastenden und nach der Revolution sich überstürzen-den Versuche, die ausbrechende Jugend wieder mit der Schule zu verbin'den, dem Kinde sein Recht zurückzugeben. Ja die jetzt ebenfalls au 'tauchenden Rasseforscher wünschten schon bei der Paarung der Eltern i udie Zeugung eines guten Nachwuchses Sorge zu tragen. Eine Flut voProgrammen und Theorien schwemmte aus dem schreibenden Deutschenhervor, Psychologen und Psychoanalytiker, Erotiker und Mythiker, Bodenreformer und Alkoholgegner widmeten sich den vernachlässigten Frag eder Erziehung. Man entdeckte plötzlich, daß man ein halbes Jahrhundeund mehr die Erziehung der Jugend einer „Wissenschaft ohne Bildungziel" anvertraut hatte und daß man die pädagogischen Schriften vor 19°nur noch mit schmerzlicher Scham über den Niedergang der einst so %rühmten deutschen Bildung lesen konnte. Mit einem fast naiven Erstaune
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