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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Wo liegt der Grund für dieses schnelle Versagen? Sagen wir es kurz:>n dem traurigen deutschen Glauben, ein Nichts könne für ein Etwas stehen,e ine Empörung für eine Schöpfung, eine Vorstellung vom Führertum fürden lebendigen Führer selbst. Wie alle bloß verneinenden Bewegungen des*9. Jahrhunderts, der Sozialismus wie die Frauenemanzipation, der Mo-nismus wie der Naturalismus, war auch die Jugendbewegung ohne schöp-ferische Mitte und geistigen Sinn. Sie war Empörung wider die leergewor-denen Formen der bürgerlichen Welt, ein Freiseinwollen von sinnlos ge-wordenen Bindungen und ein Widerstand des noch gesunden Körpers,der sich zweckloser Hüllen und Verkleidungen schämte und ins Freies Prang. Aber eben da sie frei wurden es ist bezeichnend, daß das Ver-sagen geschah, als alleAutoritäten" in Deutschland zertrümmert amBoden lagen suchten die Jungen nach Halt und zeigten, daß sie nichtBeweger sondern Bewegte waren, daß sie das Leben nicht gemeistert"atten, sondern sich den ersten bestenForderungen des Tages" anpassenMußten. Sie hatten ihren Stolz darein gesetzt, gerade keine neue Ordnunglr gendwie bindender Art zu schaffen, gerade keine Vorbilder und Vor-münder anzuerkennen, gerade Nicht-Mann-werden zu wollen und ihre Un-a °hängigkeit von keinen geistigen, politischen oder religiösen Gemein-schaften überwinden zu lassen. Aber als nun dieFreiheit" da war, eineEmpörung gegen die gefallenen und zerbrochenenAutoritäten" nichtmehr lohnte, fühlten sie, daß der Boden einer eigenen Wirklichkeit fehlte.Sie mußten aufgehen in dem was sie gehaßt und bekämpft hatten: im Bür-gertum und in den politischen Parteien oder in der Boheme und der Fremde:dl e Empörung endete in den bürgerlichen oder proletarischen Organisa-tlo nsformen unjugendlichster Art.

Damit ist schon das Verhältnis dieser Jungen zu George und seinerGemeinschaft gezeichnet. Sie mochten erzählen, daß sie im Kriege mit demS TERN DES BUNDES im Tornister die härtesten Proben vor Verdun ambe sten bestehen konnten, daß das Kriegsgedicht Georges ihnen im Schlammvor Warneton zum ersten Male das furchtbareWarum?" des Grauensen tschleierte und über den Krieg hinaus wies in eine lichtere Zukunft.. siefochten jubelnd aus seinen Händen den neugeborenen Hölderlin nehmenu «d zur Mitte ihrer Sonnwendfeste machen .. sie mochten George mital lem Überschwang der Jugend den Beschwörer der alten Götter, den Er-ne uerer des Opfergedankens, den stählernen Rufer für die Wiedergeburtu »iseres Volkes nennen und sich selbst als die Jugend fühlen, welche er inSe inem STERN und in seinen wilden und tiefenSkalden-Schlachtliedern"besang: sie wußten dennoch alle in unbespiegelter Stunde, daß sie nicht^gehörten, daß sie ihn wohlmit jenem Schauder der Dankbarkeit und

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