fand auch hier sein sinnbildliches Zeichen: der jahrtausendlang umhegteRaum zerbrach und die Kinder aller Stände begannen zu wandern, nichtallein in die Dorfflur, in den nächsten Gau, sondern über ganz Deutsch-land, über die europäischen Länder hin, zu wandern in einer sinnlosenFreizügigkeit, in einer spannungslosen Kameradschaft von Knaben undMädchen, ohne anderen Trieb als den gewohnten Bindungen für eineWeile zu entgehen, und in dem auf nichts gegründeten Vertrauen, sichselber führen und erziehen zu können. Mitten in einem schablonenhaftdurchorganisierten Staate, mitten in einer genau und rechnerisch durch-geformten Wirtschaft, mitten in einem unentrinnbar gleichmäßig auf-gebauten Stufensystem des Unterrichts erlahmten die haltenden Kräfteder Gesellschaft an den Kindern. Was das Elternhaus bot, war schal g e *worden, was die Schulen boten, erweckte keinen Anteil mehr, die frühergesuchten Verbindungen der studierenden Jugend erschienen lächerlichund stumpf.
Wenn ehemals die Jugend ihre erste Kraft darauf verwandt hatte z uehren, zu dienen und sich zu beugen, so nutzte sie sie jetzt, sich zu be-freien, selbständig zu handeln und die körperlichen Kräfte zu üben. Sieriß die älteren Generationen auf diesem Wege mit sich fort, immer meh rStützen und Schranken fielen im alten Gehäuse. Selbst die Altersgrenze 11verwischten sich und wenn man von den westlichen Völkern sagen konnte»sie haben keine Jugend mehr, so von Deutschland: es hat kein Alter me nr "In der Radikalität seines Geistes hat der Deutsche nach der Ausgleichungaller gesellschaftlichen und staatlichen Stufen auch noch die der Al tezu tilgen versucht: Die Jugend erklärte sich führerlos und beschloß sieselbst und die anderen Alter zu führen — dann, viel später erst, erwachtder Schrei nach dem Führer. Das Ergebnis der Bewegung war für ° edeutschen Körper eine Wendung aus der Stube in die frische Luft z uDurchschulung in Erde, Licht und Wasser, und ein paar Jahre l a °^konnte es scheinen als ob diese körperliche Jugendbewegung dem deusehen Volke eine neue Einheit des Fühlens, eine neue Gemeinsamkeit deWillens geben sollte. Aber als die Zeit der Reife kam, zerfiel der ku f2Zauber. Viele der Besten der begeisterten Jugend fielen auf den FelderFlanderns und was blieb, bestand in den Prüfungen des Schicksals ni cn 'Zwei Jahre nach dem Kriege brach die freideutsche Jugend auseinandund ihre zersprengten Gruppen fielen den alten Parteiungen des ^ ate .lands anheim. Sie pflanzten sich von da an wie niedere Organismen durSpaltung fort und es gab bald eine kommunistische, katholische, demokrtische und andre Jugendbewegung. Damit erlosch ihr Sinn und die „aft eFührer nutzten sie zu ihren Sonderzwecken.5i6