SIEBENTES BUCH
REICH UND BILD
i. KAPITEL: DIE FÜHRUNG DER JUGEND
WIR gehen nicht fehl, wenn wir behaupten, daß George seit den Jah-ren wo er die Eignung in sich fühlte, sich ununterbrochen der Er-ziehung gewidmet hat. Seine Nächsten sind nicht nur durch Dichtung son-dern irgendwie auch persönlich durch ihn erzogen. Die von ihm Er-zogenen haben schon ihrerseits wieder ihre Zöglinge über das ganzePutsche Sprachgebiet hin. Diese Erziehung geht freilich, wie es sich2l emt, nicht vor den Augen der Öffentlichkeit vor sich, doch wenn derAugenblick kommt, sind die Ergebnisse auch in der Öffentlichkeit zu be-merken — und dies von Tag zu Tag mehr! An eine andre Erziehung alsa n die von Person zu Person glaubt George vorläufig noch nicht, und wennWelche zu ihm kamen und ihn um seine Meinung über Erziehung befrag-en, um sie anzuwenden auf die Dutzende neu hervorschießender Er-2le hungsanstalten, verhielt er sich ablehnend, weil er an eine Übertragungau i diesem Wege nicht glaubte: der ganze Wirrwarr der Alten spieles *ch auch in den Köpfen der Jungen ab, zu einer Erziehung im weiterenu mfang müßten erst Erzieher erzogen werden.
Die Lage der deutschen Jugend hatte sich seit etwa 1910 tief ver-handelt: kaum daß in den gebildeten Schichten hier und da noch ein ge-ecktes junges Leben aufwuchs, das nicht mittelbar oder unmittelbarv °m Geist der neuen Dichtung berührt worden wäre. Schon die Knabenatmeten bewußt die Luft des Meisters und zwar nicht die lautesten aberdle besten spürten dumpf, daß quer durch das gewohnte bürgerliche Da-sein ein andres fremdes Leben ging. Viele suchten ihn, aber wenige fanden*». Die meisten fühlten, daß mehr als fromme Gesinnung und guterW üle vonnöten sei, um vor diesem seltenen Manne zu bestehen. Sie kehr-e n vor der Pforte um oder machten schon früher halt und begnügten sich,as neue Leben und die neue Gemeinschaft auf eigne Faust zu führen.Es waren die Jahrzehnte der heute schon erstorbenen deutschen Ju-gendbewegung. Um die Jahrhundertwende begann die bürgerliche FamilieCn ristlicher Art aus den Fugen zu gehen. Der Emanzipation des Weib-chen Geschlechtes folgte die der Kinder, und wir erinnern uns, daß es'ne deutsche Frau und Mutter war, die die schon begonnene „Emanzi-pation der Kinder" öffentlich zuerst verfocht. Das Ende einer Weltzeit
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