Deutschland, dem es in Wissenschaft und Kunst niemals um Erfolg undGeschäft, sondern allein um Wahrung des Schönen, Guten, Wahren geht.Es liegt in unserer angestammten deutschen Art, die Flamme still z uhüten, ohne zu fackeln. Jeder Einzelne, jeder Stamm, jedes Volk trägtvon Urzeiten her ein Vermächtnis der ihm vom Schicksal zugewiesenenEigenart und Eigenmacht in sich. Wenn es den Italienern jetzt in derglänzenden, lärmenden, gewaltsamen Gestalt Mussolinis erscheint, sowollen wir uns dieses aufregenden Anblicks neidlos, wenn auch vielleicht»sofern er uns dazu nötigt, abwehrend erfreuen, aber dabei Gott danken»daß die Summe wahrhaft deutschen Daseins die stillen reinen Züge StefanGeorges trägt". (Bahr, Neues Wien. Journ.)
Auch sonst horchte man im Ausland erstaunt auf vor der allgemeinenKundgebung der deutschen Öffentlichkeit von der Staatsleitung bis z uden Provinzblättern zum sechzigsten Geburtstag Stefan Georges, und ein eSchweizer Stimme (Baseler Nachrichten) bemerkte — nicht im literari-schen sondern im politischen Berliner Bericht, daß es seine Bedeutunghabe, daß wenigstens in einer Sache: der Schätzung dieses Mannes dieDeutschen einmal fast einmütig seien.
Dies gibt uns Gelegenheit, ein Positives in diesen Stimmen durch dasganze deutsche Sprachgebiet zu buchen, ganz abgesehen davon, ob maflGeorges Gedichte versteht oder nicht versteht, seine Haltung billigt oderablehnt, seine Weltschau für richtig oder falsch hält: das dumpfe Ge-fühl, man dürfe die einzige geschlossene Figur des heutigen geistige 11Deutschtums nicht antasten bei der ohnehin so stark erschütterten Welt-geltung der Deutschen.
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