Journal des Debats fallende Wort eines alten Pariser Bekannten: die: 44 Verse des Kriegsgedichtes Georges bezeichne man besser als 144 Keu-lenschläge, erwies wie schnell man das neue staatliche Bild des Dichters■ Frankreich erfaßte. Die schon im ersten Friedensjahre versuchtenWiederanknüpfungen — die Gründung eines Mallarme-Bundes gab will-kommenen Vorwand — ließen die Dichter unbeantwortet, während Lite-raten und Gelehrte schon mit offenen Armen nach Pontigny und Parisei lten. Die Franzosen haben es sich in ihrer geistigen und politischenGeschmeidigkeit nicht verdrießen lassen und bis heute in stetig gesteiger-tem Eindringen versucht, gerade das ihnen Fremde des Georgeschen We-sens: die Sendung des Dichters „mission" (Rev. Germanique 1922) oder dieBotschaft „message" (Rev. Europ. 1929) und Gottsuche des deutschen Ma-lers mit den Formeln der französischen Vernünftigkeit zu erfassen. Dazukamen im Juli 1928 die Erinnerungen der noch lebenden Pariser undbelgischen Freunde, welche die Revue d'Allemagne am Ende des Jahres^it anderen Aufsätzen zusammenfaßte, und die in Frankreich wieder einß ild Georges und seiner Wirkung erstehen ließen.
Weiter im Osten kam Kunde von Halt und Hoffen, welche die sudeten-^eutsche Jugend und noch die Siebenbürgens an den Werken der Blätterf and, auch die Tschechen und Südslawen begannen seine Gedichte zuübersetzen und die wissenschaftlichen Schriften der Blätter — nur sehrteilweise verstanden — aufzunehmen. Aber wichtig für die veränderteStellung der Zeitgenossen ist es, daß George jetzt im Vergleich zu aus-ländischen Machthabern als die deutsche Führergestalt gesehen wurde.* n Rußland war kein Raum mehr, in dem man eine apollinische Stimme"ätte hören können, aber von der revolutionären Sicht aus verglich imJahre 1921 ein Kenner der Sowjethäupter George mit Lenin: Lenin, soSc hrieb er etwa, habe die Entwicklung des modernen Ich übersprungen^Hd sich stetig vom tragischen Zentrum der Zeit fortbewegt . . in dieser
reiheit von aller Tragik beruht seine geistige Bedeutung und sein tief-ster Gegensatz zur Zeit, die ihn deshalb als Richter haßt oder als Vorbildle bt. Der einzige Mensch in Deutschland, der in gleicher Weise gehaßt
nd geliebt wird, ist Stefan George, weil seine geistige Bedeutung darin
es teht, daß er auf dem umgekehrten Wege die Tragik der Zeit bereitsl^nter sich gelassen hat. Lenin ist frei von der Tragik der Zeit, Georgel8t gegen sie gehörnt, er hat den Leidensweg der Erkenntnis hinter sich,
e nin ist ihn niemals gegangen: er kann daher nie den Westeuropäer,
°hl aber den Russen erlösen.
»Das bloße Dasein derer um George tut dar", schrieb ein bekannter
Wiener Schriftsteller, „daß das alte Deutschland doch noch lebt, jenes
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