Wahrheit des Christentums sich wieder so zum Worte der Seele fände,zum Worte, das bei George immer persönlich, immer blutvoll, immer zurGestalt verdichtete Substanz sei (Muckermann, Lit. Welt).
Freilich auch die tiefen Unterschiede wurden nicht verschwiegen. Trotze iner gemeinsamen Gegnerschaft „gegen alle Relativitäten" der Zeit gabe s zwischen der Welt Georges und der des Christentums Gegensätze, dieflicht überbrückbar schienen. Hier, so hieß es, stand Blut und Natur gegenOffenbarung und Jenseit, die immerwährende Gottgeburt des Leibes gegendie Seinsverschiedenheit von Göttlichem und Menschlichem, ein Glaubeder nur Schauen und Gestalten ist gegen einen Glauben der nicht SchauenIs t, hier stand der adlig-schöne Mensch, der immer neu aus dem Schoßder Schöpfung hervorgeht, gegen die tiefe Grundverdorbenheit aller Men-schen, der Sich-Selbstvollendende gegen den, der aus Schuld und Sündee rlöst werden muß: kurz die Erdenspannungen des Heldischen gegen dieJenseitspannungen des Heiligen. In diesem Zusammenhang wagt ders °nst so gescheite Aufsatz eines Paters dem Dichter den Unsinn zuzu-muten, er wolle Maximin an die Stelle von Christus setzen — so wenigw ie Plato läßt sich Christus jemals durch irgendwen ersetzen! Bei dieserll flmer wiederholten Behauptung zeigte sich die ganze Kürze des theo-'°gischen Blickes, zwischen mythischem Geschehen und Tatsachenwahr-heiten zu unterscheiden.
Zwar glaubten gerade katholische Stimmen an „Dialogmöglichkeiten"2 wischen der Kirche und George, der vielleicht statt der gesuchten neuen,^ie Schlegel, die alte vergessene Mutter wiederfinden oder der großenindogermanischen Verführung, dem Banne des Monismus, wieder ent-minen könne: vielleicht warte sein monumentaler Bau von griechischerSc hönheit, christlicher Liebe und germanischem Heldentum nur auf diew eiß e Taube Beatricens. Aber gegenüber solchen vereinzelten Lockrufenü berwogen die feindlichen Feststellungen der christgläubigen Schrift-geller und Redner beider Bekenntnisse. Der Künstlerprophet, der nicht• der Entrücktheit der jenseitigen Welt wurzelt, dem wohl die Ur-e £riff e und Urformen lebendig sind, aber die nährenden Inhalte für den°m Weibe geborenen gemeinen Menschen fehlen, ist nach ihnen dergrößte Gegenspieler des Christentums (Hochland), einer der merkwürdig-en Häretiker aller Jahrhunderte ein luziferisch Irregeführter von heil-° Se m Größenwahnsinn. Er ist, wie jüngst ein Jesuitenpater in der Mün-ft ener Aula verkündete, Herbstgold, in dem schon der Novembersturmttelt, die Verzweiflung der stummen Form, die Überspannung der Leere,°Hüstige Askese und Askese der Wollust, kurz das schöne kluge under ftihrerische Antlitz des Antichrists — dem gegenüber Nietzsche und
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