sehen der Glaube an die buchstäblich zu verstehende MenschwerdungGottes in einem Jüngling entstanden sei. Gerade die christlichen Theo-logen sahen nun in der Tatsache der Abkehr solcher Geister wie Hölder-lin, Nietzsche, George vom Christentum ein Urteil über die Christendes 19. und 20. Jahrhunderts gesprochen, welche die göttliche Perle ver-graben und durch Tand ersetzt hätten, über diese moderne Welt, welchedie Zertrümmerung aller religiösen Bindungen gründlich getan und eineReligionskrisis heraufgeführt hätte, ohne eine wirklich neue Kraft zu ge"baren, die den Zersetzungsvorgang aller Glaubensformen aufhalten könnte.Im Protestantismus war nach ihrer Meinung der Brautring der ewige« 1Vereinigung mit Gott vergessen worden, jetzt konnte man an die Stelledes kultischen Opfergedankens, selbst wenn man ihn verstandesmäßigwieder als Mitte der urchristlichen Grundanschauung entdeckte, nu rwissenschaftlich faßbare Gedanken setzen. Katholische Schriftsteller g e "standen offen, daß die schwindenden religiösen Kräfte ohnmächtig demzur Fratze erstarrten Antlitz des „untergehenden Abendlandes" gegen-überständen, daß man sich im Vertrauen auf den bewahrten Glauben a uSder geistigen Entwicklung der Zeit ausgeschaltet hätte und mit der Kon-ventikelfrömmigkeit hinterwäldlerischer Dichter und Künstler der völlige 11Entgötterung des Lebens keinen Damm entgegensetzen könnte. Prote-stanten riefen nach neuen „Symbolkräften" gegen die zersetzendenEinbrüche des Verstandes und glaubten, daß der Dichter gerade g utgenug dafür sei — Katholiken riefen nach einer zur Wirklichkeitdrängenden Religiosität gegen die Gefahr der Erstarrung und Un-fruchtbarkeit.
Gerade die Frommen sahen nach dreißig Jahren stummen oder hoch-mütigen Zuwartens in George den „Logos-Ethos-Künstler" (Germam 321. 7. 21), den Segner und Beter, den Richter und Verdammer mit un-erbittlichem Gerechtigkeitsgefühl, der dem Scheinaufbau der Zeit se" 1stolzes Ja und Nein entgegensetzte. Sie erfuhren durch ihn ein wirklichesGotterlebnis, wie sie es in solcher verwilderten Zeit nicht mehr für mÖg'lieh gehalten hatten. George, so schrieb einer, war der Gotthaltige, atldem die Gottferne der Zeit offenbar wurde, der Mann, der in unmi* te1 'barem Zusammenhang mit dem Urgrund der Dinge stand und dah edurch die verbrauchten Denkformen wieder die ewigen Erscheinungendes Lebens hervortrieb: er sei die Empörung des Gestalters gegen eingestaltlose Welt. (Hochland, Okt. 22.) Von den Freimütigsten unter d eflTheologen gab der protestantische Pastor zu, daß Georges Wort i nflwieder den wahren Weg zur Gottessicht und zur Wirklichkeit des chris*'liehen Mythos gewiesen habe, und der Jesuit wünschte, daß auch "'
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