die Dinge „kultisch", „metaphysisch" oder „kosmisch" behandelten oderausdeuteten, daß die so bezeichneten Bereiche hinter den Zustandsschilde-rungen ihres Innen- oder des Außenlebens zu suchen seien, sie endetenimmer wieder dort von wo sie ausgegangen: bei dem Elend ihrer armenSeele, ihrer armen Lüste, ihrer armen Unweit. Nicht eine Linie des blei-benden menschlichen Baues, nicht einen seiner ewigen Werte erfaßten siein ihren Romanen, Dramen und Versen, nur kleinste flüchtigste Ober-flächenflimmer und Farbstücke, Augenblickseindrücke von Augenblicks-Wesen ohne Boden und Raum.
Aber, wie sie es immer zu tun lieben, gingen die Deutschen wenigstens>>» der letzten Phase nach dem Weltkrieg folgerichtig bis zum Ende ders Prachlichen Formauflösung. Wie sie vorher in der Übertreibung früherer"lätter-Regeln die Augenhaftigkeit bis zur Ubersichtigkeit, die reine Stim-mung bis zum Verschwimmen ins All geführt hatten, so steigerten sie jetztdas dichterische Klanggesetz über Satz, Wort und Silbe hinaus bis in dieVereinzelung des Buchstaben. Die dunkle Magie der Tonverbindung, dasWagnis der neuen Wortverbindung um des Bildes willen, artete bei ihnen2 Um Fallenlassen jeder Sinnverknüpfung und Zerstörung jedes Sinn-Bildesaus. Der Satzbau — von anderen Bedeutungsgehalten der Sprache ganz2 U schweigen — wurde gänzlich verworfen, an die Stelle von Klang- und^autverbindungen trat eine Folge von Buchstabenbezügen, ein rein for-males Vokal- und Konsonanten-Konglomerat, dessen gutturale und labialeWerte nicht mehr ein sinnlich feines Ohr sondern ein wissenschaftlichesStudium der Phonetik voraussetzen. Bedauerlich war nur, daß diese reinenFormalisten der Dentale und Nasale, Spiranten und Affrikaten sich dochn °ch an die verbrauchten Worte unserer Muttersprache halten mußten undSo meist noch tief im Bedeutungschaos und erbärmlicher Sinngebungdecken blieben.
Doch lassen wir den bittern Scherzi Diese jetzt so bedrohten Kunst-Sattungen erfüllten vorher dick und qualmig und mit der lauten An-maßung ( die Träger deutschen Lebens zu sein, den Raum, durch denGeorge schritt. Es war der Sinn unserer Ausführungen zu zeigen, wie tiefn ach fast vier Jahrzehnten seines Wirkens die Kluft zwischen ihm unds einer Mitwelt noch geblieben war. Nicht sie hat ihn getragen, sonderntrotz ihrer und gegen sie ist seine Macht erwachsen. Hatte es vor dem*^riege geheißen, daß die politischen, sozialen und technischen Kämpfe undGirren der Zeit die Küsten seiner adligen Welt kaum bespülten, so mehrtensich nach ihm die Stimmen, die umgekehrt seinen Namen und seine Kunst-^ewegung als eine Macht bekannten, welche sich tief hinein in die moderneW elt erstrecke und diese vielleicht allein aus ihren Wirren retten könne.
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