Wenn man die vielen hier zusammengedrängten und nur von wenigenMinderungen unterbrochenen Stimmen liest und selbst in Abzug bringt»daß sie in wesentlichen Punkten Tonhöhe und Sicht von den Blätterwerkenselbst übernahmen, so könnte man glauben, daß wenn auch nicht die här-teren Gegebenheiten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, so dochdie bildenden Künste oder zum wenigsten die Literatur dieser Jahrzehnteden belebenden Strom des Dichters in ihre Adern geleitet hätten. Aber be»der Betrachtung dieser Gebiete zeigt sich die ungeheure Kluft, welche nochimmer zwischen dem Bringer der neuen Botschaft und der geistigen Lag eder Deutschen klaffte. Gewiß waren vor allem die vermittelnden wissen-schaftlichen Werke tief in das Schrifttum eingedrungen und hatten Wer-tung, Betrachtung und Darstellung der menschlichen Geschicke im jüng e 'ren Geschlecht gewandelt, gewiß waren alle literarischen Werke von Versund Prose Georges abhängig geworden, seitdem er den „lyrischen Sozialis*mus langsam stranguliert" hatte (Akad. Bücherschau 1914); gewiß hatten„Impressionismus" und „Expressionismus" wie Gundolf in seinem Georg e 'buch näher darlegt, ebenso wie vorher „Neuromantik" und „Neuklassikeinzelne Elemente der Georgeschen Schöpfung in sich aufgenommen. AWsie vermischten diese Elemente mit ihren Endschafts- und Auflösung 8 'wirbeln oder übertrieben sie einseitig bis zur Sinnlosigkeit: sie wurden„religiös" ohne Gemeinschaft, „mystisch" ohne Glauben, „aktivistischohne Inhalt und Ziel und „kosmisch" ohne Welt.
Die mit so viel Aufwand verkündeten und vom Bürgertum nach einige 1 "Zögern mit so viel Inbrunst aufgenommenen Kunstrichtungen dieser Jan*zehnte blieben nur Abwandlungen derselben vereinzelten und überlie»rungslosen Menschenart, sogenannte „freie" Künstler ohne Boden ■■Verpflichtung, die heute verwarfen was sie gestern als Höchstes und Letztverkündet hatten. Die groben Triebreizungen und plumpen Nachahmung*der Wirklichkeit verschwanden vor den verfeinerten Reizungen des P esönlichen Sinneneindrucks: der Impressionist spürte nur Momentreize *der Oberfläche der Dinge und zersprühte sie in Flimmern, Streuung 0 'Linien- und Farbenwirbeln. Er löste die Gehalte und Formen auf, wesein eigner menschlicher Kern zerstäubt war und er selbst darum kein «staltiges mehr wahrnehmen konnte. Am liebsten hätte er sich mysti 6ins All ergossen, aber seine Leere hatte nichts zu ergießen. Der Express»nist, in Paris schon um 1890 sichtbar, in Deutschland erst zwei bis 0Jahrzehnte später und vor allem im Umsturztrubel nach dem Kriegekennbar, — revolutionäre Kunst nach einer Revolution, die keine warwarf sich auf den entgegengesetzten Pol, suchte wieder in tätiger Selbbehauptung sein vereinzeltes Ich hinauszutragen, den Ausdruck s«
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