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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Wandel des einen hohen Tones den Ausdruck großer Menschlichkeit underhabenen Schicksals zu erwerben.. der ihr Zucht und Rausch zugleich,kristallharte Greifbarkeit und dunkle Festtäglichkeit eroberte. Dadurchhatte so hieß es weiter das Wesen der dichterischenForm" einevöllige Wandlung erfahren: statt des abgezogenen Begriffes erkannte manwieder in ihm die unerklärbare vorgedankliche Urkraft, welche dieglühendsten Wallungen des Blutes in helle geistige Gebilde banntund die ganze Wirklichkeit von Seele und Leben, Welt und Gott IHihren Schöpfungskreis zu ziehen vermag. So öffnete dieser Belauscherund Ergründer der Geheimnisse der Sprache, die als letztes ErbteilGottes einer von ihm verlassenen Welt verblieben schien, seinen i nder Verwirrung des Massenhaften, in der Öde des Alltags und in dergrauen Dürftigkeit der Elendsliebe erblindeten Zeitgenossendie Augender Seele", daß sie im Mysterium des Wortes das Unbegreifliche und ewigUnbegriffene zugleich als Gebilde erfaßten und sich vom Zwiespalt derDenkerstörung lösten, durch den Gedanke und Wort, Erscheinung u n °Sinnbild, Bedeutung und Form in einem unlöslichen Kampfe lagen. J a 'eine Zeitschrift erhebt sich zu einem mythischen Vergleich: durch diesenMund des Gottes, der einst den Marsyas geschunden hatte, war die Kunstwieder Gottesdienst statt Müßiggang und leichte Lust geworden und er-hob sich in drohender Majestät zum Range einer göttlichen Macht vongrößerer Wirklichkeit als das unwesentliche Leben.

Anderen schien durch Georges Dichtung wiedergeboren, was seit Goetnund Hölderlin verloren war, ein neues Wissen um Ursprung und Sinn deDichterischeneine apollinische Traumschau deutschen Wesens", elneues Griechentum in nordischer Ergießung. Durch Glut und Plastik & <tman sein Werk der Antike genähert, durch seinenpolyphonen Charakterstellte man es in eine Reihe mit den großen Denkmälern des Abendlandes»mit den Domen der Gotik, den Epen Dantes, den Dramen Shakespeare »den Schöpfungen Bachs, (österr. Rundsch., 1923.) Es wurde zugestanden, daß er die klassischen Elemente Goethes in sich aufgenommen hat 'aber nicht minder sah man die romantischen Farben und Klänge und nodie modernen Elemente, Unrast und Unendlichkeit, in ihm verfangen ugebändigt. Denn trotz aller seiner stolzen und feindseligen Uberhebunüber die Gegenwart konnte man in seiner Dichtung keine Vergangen"im Sinne einer Unlebendigkeit entdecken: aus dem beschmähten »*romantiker" war der unromantischste Dichter unserer Zeit und unsres Landes geworden, der durch seine Formkraft alle Trennungen u nSres Wesens aufgehoben und, wie es an einer Stelle heißt, durch sein W eden Riesenformen unserer Industrie und Wirtschaft ein so Mächtiges u496