Jede Zeile seines Werkes Ehrfurcht vor den gegebenen Erscheinungen derWelt, vor der leiblichen und geistigen Gestalt, und widersprach der nurwißbegierigen und zweckhaften Zerlegung und Zerfaserung um einer ein-seitigen Erkenntnis oder Nutzung willen. Und endlich stellte sein WissenUl n Rangordnung und Größenverhältnisse die schöpferischen Men-schen und Völker in die Mitte der Betrachtung und verneinte die wahlloseBeschäftigung mit jedem beliebigen Stoff die auch das Kleinste und Wert-loseste als „Glied der Entwicklung" dem Bedeutenden und Schaffendengleichsetzt. Ja in noch tieferem Gegensatz zur demokratischen Wissen-schaft seiner Zeit sprach er jedem das Recht ab, beliebig über jedes zur eden und zu schreiben. Nicht nur Verstand, Wissen und Schulung bedarfes nach seinen Worten, sich über ein Großes zu äußern, sondern einer be-stimmten Gesamtartung des Menschen, die der Würde des Gegenstandesgemäß ist: „Urteil erfordert Rang". Denn gerade ohne dieses beschrän-kende Recht der inneren Entsprechung war der Verstand souverän gewor-cle n und würde es wieder werden, um unter der Maske der Wahrhaftigkeita Ues Hohe und Große dem plumpsten und gröbsten Urteil preiszugeben."^ r führen zwei Typen von unbestrittenem Rufe dafür an. Wilamowitzde ssen Schädlichkeit bereits im Hildebrandtschen Aufsatz (Jahrbuch 1910)ar getan wurde, hat nachdem er den Äschylus dem bürgerlichen Ge-schmack mundgerecht zu machen versucht hatte, auch den Plato journali-8ler t: „Ein glücklicher Sommertag", „Letzter Kampf um das Lebensglück""-" ein Plato für Dienstmädchen, wie man damals im Dichterkreise sagte.^ arl Voßler, der weit über Deutschland hinaus bekannte Romanist, sah*- wie ebenfalls schon in einem der Jahrbücher angedeutet wurde — inder Vita nuova Dantes etwas „Geckenhaftes" und kanzelte „die im in-nersten Kern mißratene Konzeption" des Paradieses in ehrfurchtlosemGe witzel ab — am Schluß des Fegefeuers kommentiert er gar die Matelda**° : »Das Blumenmädchen wird zur Waschfrau". Wenig verschlägt es, daßles er Gelehrte nachher in einer neuen Auflage seines Buches die schlimm-en Taktlosigkeiten auszumerzen versucht hat. Er leitete eine neue Tradi-tl0n ein: von Seiten der Wissenschaft die systematische Besudelung dergr °ße n Dinge.
Diese Beispiele erweisen zur Genüge, daß man auch die anerkannten Ver-tre *er der heutigen Wissenschaft nicht zur Verwaltung der geistigen Gü-ter bestellen darf.
D er durch George hervorgerufene Wandel der GrundvoraussetzungenVer änderte für die Schüler Georges die ganze Sinngebung und Zielsetzunges wissenschaftlichen Erkennens. An die Stelle des Scheinzieles einer end-gültigen Aufklärung oder einer objektiven Erkenntnis im Dienste der Wis-
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