und Bezüglichkeit aller stofflichen und seelischen Vorgänge konnte nichtmehr darüber täuschen, daß die Wissenschaft außerstande war, die gegen-ständliche Wirklichkeit der Dinge und Geschehnisse mit ihren Mitteln zuerfassen. Es gab für sie keine irgendwie gestaltete objektive Welt mehrsondern nur noch jeweils von einem Einzelmenschen erzeugte, nur nochsubjektive Welten. Ja bedeutende Forscher haben in den letzten Jahren ge-äußert, daß die Wissenschaft nicht einmal eine wahre Erkenntnis desStoffes und seiner Vorgänge zu geben vermöge, sondern sich in der stetenSelbstkorrektur ihrer Ergebnisse bewege und von ihren notwendigen Feh-lern lebe: eine Penelope, die das am Tag Gewebte in der Nacht aufdröselt,um ihre Freier in Atem zu halten. Mit diesen Einsichten war die eisige ein-seitige Verstandesaskese in die letzte Phase ihrer Begrenztheit getretenund gestand ihre Unzulänglichkeit, das Leben durch Erkenntnis zu beherr-schen. Das verwandelte Leben forderte andre Werkzeuge zu seiner Erfas-sung und Begreifung: hinter den Trennungen und Zerlegungen des Ver-standes erschienen fast plötzlich die Körper und Gestalten in ihrer unver-sehrten Lebendigkeit und rätselhaften Undurchdringlichkeit: sie spottenjeder Auflösung in „objektiven Wahrheiten" und sind dem Teilsinn so un-zugänglich wie Zeugung und Tod.
George hatte sich von der sprachlichen Mitte her allen Zerlösungen i°Deutschland entgegengesetzt und mit der Wiedergeburt des Wortes begon-nen. Indem er zunächst der Dichtung durch Werk und Vorbild einen festenBoden der Überlieferung gab, richtete er gegen alle Versuche, sein Wirkenmit in die Wirbel des Untergangs zu ziehen, die unerschütterliche Festeseines Werkes und seiner stetig wachsenden dichterischen Gefolgschaft auf-Indem er durch die Dichtung das ewige Bild des Menschen in seiner ga n 'zen Geschlossenheit wiedererweckte, gab er seinen Folgern den neuenBlick in die Natur und Geschichte und wie ihrem Dichten und Handeln s"auch ihrem Betrachten und Erkennen einen verwandelten Sinn. Denn jed eZeile Georges widersprach, wie die aller großen Dichter und Seher, demGrundsatz der wissenschaftlichen Erkenntnis seiner Zeit: daß Leben unWelt durch das Mittel des Verstandes erklärbar und erfaßbar seien. SeifWort „unhebbar ist der lebenbilder sinn" ist der deutliche Ausdruck seinedichterischen Glaubens, daß es geheimnisvolle Mächte gibt, deren Trägeund Getragenes der Mensch selber ist, und die eben deshalb für seine E lirsieht nicht berechenbar und nicht beherrschbar sind. Das bedeutete keineWunderglauben im christlichen Sinne als eines übernatürlichen Eingrmin den natürlichen Ablauf der Dinge — die nötige Sicht einer Welt, in desich das Natürliche und Göttliche gespalten hatte —: für George lag im B e 'stehen und Geschehen der Welt selbst das Wunder. Deshalb forderte auc
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