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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Die auftretende Gegnerschaft erinnerte die Forscher aller Gebiete daran,daß auch die entferntesten Sonderfächer auf einer gemeinsamen Denkartberuhten und daß das Wankendwerden der geistigen Übereinkunft notwen-dig jeden Sondergrund mit erschüttern mußte. Diese Denkart__ ob bür-gerlich Positivismus oder mehr proletarisch Materialismus oder mechani-stischer Kausalitätsmonismus und sonstwie genannt beruhte in allenAbwandlungen auf dem Glauben an die lückenlose Erkennbarkeit allesSeienden und Geschehenen und auf dem Anspruch der Forschung, durchihre Mittel und Verfahrungsweisen diese Erkennbarkeit auf jedem ihrerGebiete zu einer untrüglichenwissenschaftlichen" Erkenntnis der natür-hchen und geschichtlichen Vorgänge zu machen. Der ehemals behaupteteZusammenhang aller Einzelforschungen durch die Zielsetzung einer wis-senschaftlichen Gesamterkenntnis der Welt, in der nach der Meinung deray fgeklärten Geister die höchste Vervollkommnung des Menschenge-schlechtes beschlossen lag, war freilich seit der Mitte des 19. Jahrhundertsa Nmählich verlorengegangen, aber der Glaube an die untrüglichen Erkennt-nis m i 11 e 1 war in den Natur- wie in den Geisteswissenschaften immerst ärker zur Herrschaft gelangt und führte zu jenen unbeirrbaren Einzel-Märschen in den tausendfach verästelten Teilgebieten, deren Sinn, wie wirSa gten, nur noch in der Förderung der Wissenschaft selbst oder in ihrertec hnischen Anwendung auf Sachen lag, mochte aus dem Menschenge-schlechte werden was da wolle. Weder die Philosophie noch die Mathema-tik vermochten eine menschliche Mitte und geistige Ordnung gegenüberde n ungeheuer anschwellenden Stoffmassen zu halten. Das Weltbild derlo gisch-mathematischen Wahrheit, die Vorstellung eines auf den unabän-derlichen Gesetzen der Ursächlichkeit beruhenden reinstofflichen Zusam-menhanges der Dinge, der unabhängig vom Betrachter sei, brach ausein-an der. Damit wurde das Erkenntnismittel in seiner verstandlichen Aus-Sc hließlichkeit von innen heraus von selber aufgehoben. Außerhalb derWissenschaft erhoben sich äußerste Gegenbewegungen des Mystizismus,°kkultismus und Spiritismus, die sich jenseits der Grenzen des vernünftigenDe nkens umtreiben und deren drohendes Anschwellen freilich erst begon-ne n hat. Aber längst bevor es den Einzelforschern in ihren Sondergebietenbe wußt wurde, zeigte auch die Denkart des wissenschaftlichen MenschenSe lbst in ihren feinsten und empfindlichsten Vertretern eine Wandlung an,dle den schwindenden Glauben an die eherne Eigengesetzlichkeit der ra-^°nalen Erkenntnis verriet: es gab für sie keine unbedingt feststehendeWahrheit mehr, es gab vielmehr nur noch auf irgendwelche Annahmen be-gliche, stets sich wandelnde Ergebnisse. Die äußerste Verfeinerung under vielfältigung der Verfahren zur Erforschung der Wahrscheinlichkeit

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