Wirklichkeit des Stoffes eindrang, um so dunkler wurde das Wissen umsein eigenes Dasein, und bald gab es nirgends mehr Bild noch Ziel, nachdenen der Mensch sich hätte formen und richten können. Für die Forscherder geschichtlichen Wissenschaften wurde das Häufen, Ordnen und Wie-derumwälzen des Gewonnenen, für die der Naturwissenschaften das Zer-gliedern, Anwenden und Nutzbarmachen zum Selbstzweck und erst spät,ln unseren Tagen erkannten sie, daß das Erschließen des Stoffes diesenSe lbst, ja auch das Erschlossene wieder den Erschließenden wandelt: kurz,daß das ewig gegenwärtige und ewig wandelbare Leben der einseitigen Be-rgung durch die Mittel des Verstandes spottet und diesem nur übrig-bleibt, die Vertauschbarkeit aller Bezüge zur Weltformel zu erheben. DerZweifel, mit dem die rationale Wissenschaft am Beginn der Neuzeit be-gonnen hatte und der damals das erkennende Gewissen vor anderen Seelen-Säften schärfen sollte, bedroht sie heute mit der Zerstörung aller festenGesetzlichkeiten bis auf ihr eigenes Grundgesetz der Kausalität, bis aufl «re Grundunterscheidungen von Stoff und Geist, Mechanismus und Leben.Als freilich Nietzsche seine Anklagen gegen die Wissenschaft und wis-Se nschaftliche Bildung seiner Zeit als einer nicht mehr lebenfördernden Be-kräftigung und einer lebenhemmenden Erziehung begann, störte noche in Hauch den Glauben an den steten wissenschaftlichen Fortschritt. DieMahnungen Goethes und Hölderlins waren längst verhallt. Forscher, dieetl Kreis der rein rationalen Mittel überschritten, wie Bachofen, Burck-a 'dt, Lagarde und andre, wies man aus dem Tempel, und von „Prophe-en " wie Nietzsche selbst glaubte man innerhalb der Mauern der alleinselig-machenden Methode nichts lernen zu können. Aber eben dieser Prophetat für immer die nur verstandlich erkennende Menschenart in sich selberauf gehoben, Wissen wieder in Weisheit, Erkennen wieder in Tun, Philo-s °Phieren wieder in Werte-Schaffen verwandelt. Der allesdurchdenkendea Hesdurchschauende Selbstkenner hat jene Art in sich getötet um einedlere, die er ahnend erschaute, für immer vor dem Erstarren in totemJessen zu bewahren: sein Lachen hat die Scham des rein „theoretischen"fischen aufgedeckt und keine noch so große Gelehrsamkeit wird der zu-u nftig en J ugen( j dessen Blößen verdecken können.
D as Opfer Nietzsches hatte die Lage der forschenden Geister weit überei *tschlands Grenzen hinaus gewandelt. Während die alten Schulen imfruchtbaren Ring ihrer Selbstgenügsamkeit verharrten, suchten diees ten Denker einen Weg aus der Verfachlichung, einen Sinn der Erkennt-ls Und des Forschens außer ihren Teilgebieten, eine bestimmende Schaues Geistes über der unabsehbar wachsenden Flut der Stoffmassen, einer dnungsgewalt für das in tausend unfaßlichen Möglichkeiten und Be-
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