die sprachliche Darstellung des Erforschten, immer mehr als überflüssig'störend oder im besten Falle als schmückendes Beiwerk empfunden wurdeund die seellose Trockenheit einer öden Fachbegrifflichkeit bis zur Forme'hin der erwünschte Niederschlag ihres sprachlichen Ausdrucks wurde-Auch die Philosophie dieser Jahrzehnte unterschied sich in all dem nichtvon den übrigen Wissenschaften, sie hatte die Aufgabe, Deuterin des g e 'w&nnenen Erfahrungsstoffes zu sein verloren und trieb im Zirkel der Er-forschung ihrer eigenen Erkenntnismittel umher: sie hatte vergessen, da«das Sein der Dinge auch ihr Sinn, daß das schauende Erfassen der lebendi-gen Erscheinung die höchste und einzige Weisheit ist. Zwei Gefahren bargdie einseitige Ausbildung der verstandlichen Teilkraft für den Menscher»'Einmal drohte ihm der Verlust des heiligen Sinnes, der schauenden unddenkenden Einheit seines Wesens, durch den allein er die lebendigen Kräfteund Gestalten der Welt gewahren kann. Seinem verselbständigten Ver-stände stellte sich die Welt als eine starre, an unabänderliche Ursachenoder Zwecke gebundene Summe von Mechanismen dar, als tote Stoffmasser»der Natur und Geschichte, die durch Zerlegung und Ordnung ihrer Teil eerkennbar wären. Jedes lebendige Geheimnis schien nur der verschärfte 11Methoden des Forschers zu harren, um sich völlig der Erkenntnis zu er-schließen. Eine Ausbildung der gesamtmenschlichen Kräfte erschien vodiesem Standpunkt aus überflüssig, ja eher schädlich für die Erkenntnis denatürlichen und geschichtlichen Stoffes, und die Forderung einer wissenschaftlichen Bildung schien allein würdig, nützlich und erwünscht. P 1zweite Gefahr bestand in einer Lähmung oder gar Einbuße aller schöp* erischen Fähigkeiten der Gestaltung und Tat, in einem fatalistischen Verzieht auf die formbildende und gesetzgebende Kraft des Geistes. Je g r °ßere Stoffmassen die wissenschaftliche Forschung in Bewegung setzte, uso geringer wurden die Versuche, sie den formenden Gesetzen menschli cnBildung zu unterwerfen. Der kühne Urfrevel der frühen Forscher durdie Vernunft — ihnen noch halb höllischer Zauber halb göttliche Weseheit —, die Natur und ihre Kräfte zu beherrschen, hatte seine Rache gzeitigt und die Beherrschung in Versklavung verkehrt: nicht mehrherrschte der Mensch die Dinge, sondern die Dinge den Menschen. Dem &kennenden schwoll unter den Füßen die Flut des Erkannten an, und wiu eund schicksallos trieb er auf den Kämmen der Entwicklung, des r°schritts oder wie er sonst das dumpfe Walten nannte, immer im Glaub 'durch Vermehrung der Teileinsichten über das Ganze Herr zu werden-verstandesmäßige Fachbildung trat daher immer ausschließlicher anStelle der humanistisch-universalen unserer klassischen und romantiscDichter und Denker. Aber je tiefer der Mensch in die scheinbar gegeb480
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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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