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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Gesetz der Menschlichkeit wird erfüllt werden über Europa. Wir habendie Gleichheit zu lieb in Leid und Freude. Und ob wir sie erreichen oderunsere Kinder: die Menschheit erreicht sie, weil sie es wünscht". (ProzaVII.) Welche Macht hob diesen verschollenen Ton wieder hoch in einemManne, den George aus dem Häuslichen und Umfriedeten gezogen und inden Sturmwind einer Erneuerung des heldischen Geistes gestellt hatte?Der wahre Dichter kann aus dem Wesen seines Führer- und BildnertumSiaus dem Wissen um menschliche Stufen nicht Vertreter einer allgemeinenGleichheit, nicht Gläubiger der Herrschaft des Volkes als einer ununter-schiedenen Masse gleichberechtigter Einzelner sein. Keine Staatsgemein-schaft der Geschichte, die nicht an solchem Glauben verdorben wäre, derfreilich entsteht, wenn die herrschende Führerschicht versagt, aber zumUntergang des Volkes führt, wenn es keine neuen Träger der Herrschaftgebiert!

Verwey hatte im gemeinsamen Kampfe hohe Worte für das herrscher'liehe Amt des lebenerneuenden Dichters gefunden: sollte das alles nu rSinnbild und die Einheit von Traum und Wirklichkeit nur Versspi elbleiben? Lohnte wie für die Gleichheit kein Opfer, und wäre es das vonHunderttausenden, für die Schaffung adligen Menschtums? Hatte ernicht in George und Waclaw Lieder Menschen gesehen, die täglich eine 11Thron besteigen konnten, ohne ihrer Menschlichkeit etwas zufügen oderwegnehmen zu müssen, und waren es s i e nicht, die härtere Worte a»Verwey selber gegen die hohlen Flitterkönige und den erschlafften ErD'adel Europas gefunden hatten? Nun schreckte ihn die göttliche Wirklicn'keit, welche aus den Gedichten des Freundes sprach, und er stellte sieauf die Seite des altenGids" der gerade damals (1911 Nr. 12) Georgals den Tyrannen von maßloser Herrschsucht zeichnete, der die Schlich 'heit der Dinge mißkennt und die geringe Menge mit Mißachtung k c 'handelt:Die Lust zum Herrschen scheint aus dem hochgetragenen Kin°'spielt um seine Lippen. Man lege daneben das demütig gebogene Dulderhaupt Verlaines, dann wird man sich nicht wundern, daß Georges»*Freunde, die auch wahre Dichter sind, ihren eigenen Weg gegangen sinund sich gegen den Einfluß des Diktators gepanzert haben".

Doch dies wenigstens konnte die Meinung Verweys nicht sein. Keinwie er selbst hat erfahren, mit welcher werbenden Liebe George sich *diesen Jahren um die erschütterte Seele des Freundes mühte; wielange Jahre suchte, ihn mit in seine Welt zu ziehen, ohne anderes Mi* 1als das der klärenden Deutung und Überredung; wie er einmal nach taglanger Unterredung aus einer Bemerkung des Freundes die Entfernungerkannte und doch in unvermindertem Vertrauen ausrief:Dann hab464