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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Das Kinderherz das in mir jauchzte und klagteUnd nur noch nach Liebe und einem Freunde fragte.

Auch das zweite Gedicht klingt ähnlich in dem Wunsche aus:nochlänger zusammenzusein, denn einen Tag". Und dennoch tauchte im fol'genden Jahre bei der Besprechung des SIEBENTEN RINGS das Trennendeauf und führte die Gegensätze in der Seelenartung der beiden Freundeans Licht, welche das Jahrzehnt gemeinsamen Tuns ausgelöscht zu habe 0schien. Verwey äußerte sie zunächst noch in verhüllter Form, dann in 1Krieg in offner Parteistellung gegen alles Deutsche schlechthin.

Erinnern wir uns, daß Verwey die Dichtung als rhythmische Lebensbcwegung auffaßte, in der das Wesen der Wirklichkeit eins ist mit der mensch-lichen Einbildung, daß daher die Dichter durch ihre Gedichte die Einheitder Welt aufrechterhalten und in ihrer ganzen Tiefe und Umfänglichke» 1bejahen. Die Aufgabe des bildnerischen Triebes schien ihm daher d» emöglichst vollkommene Darstellung der inneren Gesichte in reine"Kunstformen zu sein und gerade darin hatte ihm das Zusammentreffe! 1mit George erst die dunkelgeahnte Klarheit gegeben. Ja er erfüllte sich s°sehr mit dem Geiste der hohen Dichtung, daß nun seinen Holländern voderKälte" seiner neuen Gedichte grauste, die eine unmittelbare kunst'lose Gefühlsäußerung ausschlössen. Verwey sah also das dichterischSchaffen als die besondere rhythmische Form der Lebensäußerung welchdas höchste Recht neben anderen Lebensgebieten wie Religion, Staa >Wissenschaft und Wirtschaft forderte, aber nicht mit ihnen zu vermischesei. Sie habe sich nur um die Schöpfung ihrer Bilder zu bemühen, sonSum nichts.

In dieser Auffassung lag eine Begrenzung und Vereinzelung der dichterischen Gestaltungskraft, welche für George niemals Geltung gehahat. Selbst seinL'art pour l'art" trug von vornherein den Anspruch lsich, alle Lebensgebiete mit dem künstlerischen Geiste zu durchdring eund die Welt von der Mitte seiner dichterischen Schöpfung aus zu ergr efen und umzuschaffen. Für ihn war die Wirklichkeit nicht nur inneres selenhaftes Wesen, sondern zugleich auch äußere Erscheinung in GewächseLeibern, Völkern und Göttern und den Darstellungsformen ihrer Gerne'schaft, es gab für ihn kein neben der Kunst, sondern nur ein in ihr °außer ihr, er kämpfte nicht um ihre Gleichberechtigung in der Geseschaft, sondern um ihre Herrschaft, er war Bote und Schwert ihrer g°liehen Urkraft und mußte ihr zum Sieg über die ganze ihm entgeg estehende Daseinsform des Europäertums verhelfen oder untergehen,wirkte auch in seiner scheuesten Zurückgezogenheit stetiger und stärnach außen als Verwey mit seiner ununterbrochenen Anteilnahme an462