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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Freundschaft zweier Männer begegnen, in denen sich ihr geistiges Erbeund ihre geistige Zukunft gegenwärtig verkörpern, wie es in der Mitteder neunziger Jahre bei George und Verwey der Fall war, so muß gegen-über allem Trennenden das Gemeinsame, das sie vereinigt, von hinreißen-der Gewalt und Größe sein und sich durch ein ganzes Leben und Schicksalbewähren, wenn der Bund dauern und auch für die künftigen Geschlech-ter von befruchtendem Segen bleiben soll. Zwischen Holländern und Deut-schen bestand als günstige Voraussetzung eines solchen Bundes die Bluts-verbundenheit ihrer Stämme und eine frühere Schicksalsgemeinschaft'die von längerer Dauer war als ihre spätere Sonderung; bestand als un-günstige Voraussetzung eine jahrhundertelang gesonderte Entwicklungihres staatlichen und geistigen Lebens, welche die Holländer in Gesittungund Bildung von Deutschland weg auf die Seite der westeuropäischen Völ-ker geführt hatte. Wir haben erzählt, wie dieses Trennende in George undVerwey überbrückt wurde durch die gemeinsame Begeisterung für d» eneue Dichtung und den gemeinsamen Kampf für sie auf dem ganzen euro-päischen Felde. Über Partei- und Völkergrenzen, über religiöse und staat-liche Verschiedenheiten hinweg verbanden sich die Dichter zur Erneue-rung der Kunst, und beider Anschauung vom künstlerischen Schaffenumgriff so sehr alle Kräfte des Lebens, daß sie von einer solchen Erneue-rung zugleich einen Umschwung der Geistesart ihrer Völker, ja einWandlung der Bildung und Gesittung des europäischen Menschtums * r 'hofften. So flogen die Herzen der Freunde einander zu, ihre Werke befruch-teten sich im Wetteifer, einer lernte des andern Heimat von Jahr zu Ja* 1inniger sehen und lieben, einer brachte des andern Schaffen unter seineNächsten und bald auch öffentlich in seinem Volke zur Geltung. Es * anatürlich, daß bei dem Reichtum und der Eigenwilligkeit der beiden ***turen das gemeinsame Tun und Sinnen die Gegensätze und Verschiedenheiten ihres Bildungsursprungs nicht in dem Sinne auslöschen konnte, daVerwey ein Deutscher oder George ein Holländer werden würde. Dendem Jahrhundert-Spruch Georges an die deutsche Jugend können wir o eSchluß des Verweyschen AufsatzesHolland und Deutschland" v0Jahre 1900 an die Seite stellen:So fühlen wir uns neben dem verwandteDeutschland stehen voll unserer Erinnerungen und Erwartungen. UnseFreundschaft mit den Besten dort ist die schönste Blume die unser Di ctertum uns pflücken läßt. Auch sie, ich weiß es, werden nichts lieber senals die Verherrlichung der Wirklichkeit, die Holland ist". Nicht dam 111handelte es sich das Eigne auszulöschen, sondern um die höhere Aufg a 'gemeinsam aber auf eignem Boden zu dem neuen Menschtum aufzuwa csen, dessen sichtbare Zeichen sich in der Künstlergemeinschaft ankuno t>

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