4 . KAPITEL: WEITERE VERLUSTE UNDTRENNUNGEN
DURCH Tod und Trennung verlor George nach dem Kriege nochmanche seiner Gefährten. Simmel hatte vergeblich die Krisis der Kul'tur, als welche er den Weltkrieg sah, mit seinen feingeschliffenen Begriffenzu erfassen versucht, aber mit tapfer klarem Bewußtsein erwartete er in 1vierten Kriegsjahr den gewissen Tod, dem er noch die letzte Lebensstundezur Arbeit abrang. Reinhold Lepsius fand ebenfalls keine Mittel in seinerzarten Natur das Grauen der Zeit zu bewältigen, auch persönlich durchden Krieger-Tod seines einzigen Sohnes Stefan betroffen, starb er bal"nach dem Frieden. Schuler hatte das Zimmer, das ihn Georges Zaubere),wie er glaubte, für immer zu bewohnen zwang, erst zum letzten Todes-gang im Jahre 1923 verlassen, er wurde auf seinen Wunsch genau nachaltrömischer Art bestattet im antiken Totengewand mit der Binde um d' eStirn, und die ihn sahen bekennen die Erhabenheit seines Antlitzes i* 0Tode. Er ließ auf seinen Grabstein die Worte setzen Ultima Lux: so b» szu Ende seinem Geiste und dem Kampfe wider die Zeit getreu. Andre vonden früheren Gefährten verwirrte der Umsturz aller staatlichen und g e 'sellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und verführte sie zu demGlauben, der Tag ihres Handelns sei gekommen, neue Schichten der B e 'völkerung seien bereit, einen geistigen Ruf zu vernehmen und in die Taumzusetzen. So veröffentlichte Lothar Treuge im Jahre 1920 „Die Ap 0 'theose der Masse" und starb ehe er die Sinnlosigkeit seines Aufrufs lsehen brauchte, so gab Ludwig Derleth zur gleichen Zeit (1919) eine 0Neudruck seiner „Proklamationen" heraus und mußte erkennen, daß slebenso wirkungslos im leeren Raum verhallten wie zwanzig Jahre frühe 1daß wildester Aufruhr und Sturz verjährter Einrichtungen noch keinWandlung der Geister bedeuten und die Stunde der Tat nicht von auß ekommt. Aber sein Bild stieg noch einmal in einem Gespräch Verweys m 1einem französischen Literaten auf, das dieser im Mercure de Fran c(April 1925) veröffentlichte: „Ludwig Derleth: .Napoleon in der Hö 11nannte ihn mir einer seiner Freunde. .Führer eines Heeres das nicht Psteht', sagte Verwey damals. Jene Art Genie, die sich verleugnet und vezehrt und unfähig die irdischen Grenzen anzuerkennen, seine Lava seinWellen vorzieht. Ein großer Dichter, den fast niemand kennt, weil er st»seine Gedichte zu veröffentlichen, seine Phantome peitscht und ih°nachjagt. Ein Tyrann seiner wenigen Freunde, ein Diktator der Schatte •Ein Priester endlich, der aber nur dem Gotte dient wie er ihn sich ges ta458