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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
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beim Aufschwung des rheinischen Wirtschaftslebens nach dem Deutsch-Französischen Kriege sich eben ein neuer Handelsgeist zu regen begann.Der Vater des Dichters war dort Weingutsbesitzer und betrieb, wie vieleder angesehenen Bürger, zugleich den Weinhandel. Er ließ seinen SohnStefan zunächst in einer Privatschule, dann in der Realschule des Ortesunterrichten.

Den Knaben fesselten vor allem die fremden Sprachen, und neben denalten und neueren, welche die Schule lehrte, suchte er sich aus eigenem An-trieb der italienischen zu bemächtigen. Die ersten poetischen Versuchemachte er schon im achten und neunten Lebensjahre, und die Ränder seinerSchreibhefte waren mit jugendlichen Versen beschrieben. Aber die gewohn-ten Formen der Muttersprache genügten schon damals dem dunklenDrängen nicht, das auf dem Grunde dieser jungen Seele rege wurde: einEtwas wollte laut werden und Wort gewinnen, das noch unausdrückbarwar, und so erfand er sich in dumpfgefühlter Not und knabenhaftem Stolzeine eigene Sprache ohne Anlehnung an ein bekanntes Idiom mit vollklin-genden Silben, die wenigstens im Tone sagen sollte, was ihn innerst be-wegte. .Er arbeitete Grammatik und Wortschatz für diese Sprache aus,deren sich der jugendliche Kreis der Eingeweihten, derImri", in ihrengeheimen Erzeugnissen bediente:

Schon als die ersten kühnen wünsche kamenIn einem seltnen reiche ernst und einsamErfand er für die dinge eigne namen.

Die neue Sprache, von der das GedichtUrsprünge" im SIEBENTENRING uns ein Fragment bewahrt hat, läßt mit fast unheimlicher Deutlich-keit auf dieser frühen Lebensstufe die mitgeborene Dichterkraft des Kin-des aufleuchten, sie ist das magische Mittel, mit dem die ihrer selbst nochunbewußte Seele ihr Schicksal vordeutet und ihr künftiges Verhältnis zurWelt bestimmt: das neue Wort wird das Zauberband zwischen ihr und derWelt sein. Sie bedurfte seiner in dem verborgenen Reiche der Träume, dieder Knabe, fern von den Spielen seiner kindlichen Gefährten, im einsamenDickicht der Stromgebüsche spann, und die sich so tief in sein Inneresbrannten, daß sie dem Dichter auch später die Urbilder des reinsten dich-testen Lebens blieben. Denn was einmal in diese Seele fiel, blieb unverlo-rener Keim und stieg an seinem Tage aus der dunkelsten Wurzel der Er-innerung wieder ins helle Bewußtsein, aus dem Traum ins Lied. So ruftdas schlafende Kind derJuli-Schwermut" ein Gedenken des frühestenKindesalters auf, aber von jener brennenden Deutlichkeit der Dinge unddes Ortes, der reifen Ernteäcker hinter dem glühenden Scharlachberg,wie sie nur eine Selbsterfahrung spiegeln kann. So klingt durch alle Stu-