Kunst heran: die Fähigkeit, bis in die innersten Lager des Feindes drin-gend, dessen Wesen fast mit Feindesliebe erfassen und sich selbst da-mit erfüllen zu können, die Möglichkeit sich bis in die leiblosen Flutendes Ungestalteten zu versenken und erfüllt vom Wissen um das Tote»Sinkende, Fallende sich doch zurückzureißen. Während er schon ebenim Strome ohne Damm und Stau zu versinken droht, taucht er plöWlieh mit dem Wissen um das Entgegengesetzte empor, reißt die ver-hüllenden bunten Phosphorscheine vom Modrigen hinweg und deckt di eFäulnis unerbittlich bis ins Grauenhafte auf, um über solchem trüben Ge-wässer das strahlende Gestirn größer und schöner aufleuchten zu lassen'Denn selbst Helios erscheint diesem Darsteller aller Schichten der Fin-sternis nur als Geburt aus den Schaudern der Nacht. Er stößt durch °i ePflaster der Stadt bis in die Bereiche der Verwesung, des Ekels und A>>'raums, er kann sich nicht genug tun alle Worte der Sprache für daQuellige und Quallige, Schleimige und Seimige, Schlürfige und Schlüpfrige zu finden, um „die dunkeltriefenden Gründe" und Ungetümen Nebe 1 'bilder sinnlich tastbar erscheinen zu lassen, aber es bestätigt immer wi e 'der sein Dichtertum und rückt seine Gebilde fernab von jeder naturall'stischen Abschilderung, daß er in all dem über ganze Sprachprovinz eHerrschaft gewinnt und seinen düsteren Einbildungen mit den schwer'errungenen aber spielend gehandhabten Mitteln Form verleiht.
Wie fern sind die „Lieder und Sprüche" Gundolfs von diesen verwegnen Gängen! Sie gehören zu den wenigen in dieser Folge, in die k elStoß der Stürme gedrungen scheint, die dem Meister und den FreundeBlut und Tränen kosteten. Der Dichter der „Staatsgedichte" der zehnteFolge scheint hier ermüdet in das leichtere Spiel zurückgesunken und sreizvoll die meisten dieser Gedichte in ihrem Pendeln zwischen überheizGeist und übergefühliger Sinnlichkeit sind, so nehmen doch manche eialtmodische Färbung an und erinnern an Hofmannsthal, ohne dessrhythmische Magie zu haben. Sie bleiben immer hell klar und flüssig. v °einer spielenden Geschmeidigkeit der Linienführung, aber reißen das en&Ich nicht über sich selbst hinaus, weil es vor dem geliebten Du in kalBewußtheit steht oder haltlos in ihm versinkt. In solcher Unverbunoheit der Pole bewegt sich auch der Streit zwischen Cäsar und Brutusdem schönen gleichnamigen Gespräche Gundolfs. Die Lösung, dieDante in der Verdammung, bei Shakespeare im Untergang des Bruliegt, bleibt hier in der Schwebe und die Frage offen, ob Recht undrechtigkeit nicht größer ist als der Retter und Neuschöpfer Roms»Kämpfer für Begriffe und veraltete Satzung nicht größer als der sie n»Blut und Leben erfüllende Held. Ein Schatten hebt sich zwischen de
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