Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

blieb weil gerade der Friede ihnen zeigte, was ihnen im ungeheueren Aus-maß des Kampfes noch verdunkelt blieb, daß dieses verpönte und ver-dammte Deutschland ein Schicksal zu vollziehen hatte: zu zerstören wasfallreif war, weil in ihm selbst ein Unzerstörbares lebte: das Recht deshöheren Lebens der zukünftigen Welt. Mag diese innere Kraft noch g e "heim und der Menge ungewußt verborgen sein, sie wirkt sich in der Ar*des Handelns und selbst des Vcrnichtens unseres Volkes aus, die dem Geg-ner unverständlich und unfaßlich ist, sie bleibt ein Anderssein, auch wennwir sie zu verleugnen und bis zum Verrat am eignen Selbst uns den ander 0Völkern anzuähneln, uns ihnen gleich zu machen suchen. Denn sie waruns im Ursprung mitgegeben, sie lebte verkannt verschüttet und gelähmtdoch immer wieder in Taten und Träumen unserer Besten auf, und <> asie nun sich selber wissend im Dichter Wort und Gestalt wurde, ist S' ezum Arm der ewigen Mächte geworden und muß das Schicksal erfüll® 11 'sei es auch um den Preis unseres eignen Untergangs. Der Weg, wie eSsich in kommender Zeit erfüllt, ist menschlichem Auge nicht sichtbar, ab erso viel ist schon jetzt dem kürzesten Blicke deutlich, daß der Krieg, <* endie Gegner zu unserer Vernichtung begannen, auf sie selbst zurückfiel unden fernsten Völkern, vor allem den von ihnen ausgebeuteten und unter-jochten ein neues Gesicht ihrer selbst, ein Wissen um die Mittel deMacht und den Weg der Selbstbestimmung zeigte, so daß von diesen 1Brand sich tausend Brände entzünden und das Antlitz der Erde wände!werden. Und auch dies gehört zum Bild der geheimnisvollen Wende: als dasEnde der wilden Kämpfe kam, das vom Hunger ermattete Volk das Eier 1nicht mehr ertrug, der innere Feind Gewalt gewann und die morscheThrone stürzte, als beim Kampf gegen immer neue Feinde das mattg chetzte tapfere Heer versagte und der bittere Rückmarsch in empörter w> rrer Heimat endete: auch da war außer wenigen schon zerbrochenen Seeleniemand dieser Deutschen ganz verzagt, sie fühlten sich in diesem KamPnicht besiegt, ja mehr als das: sie fühlten bis zum letzten Manne dumP 'daß sie ein Unverletztes in sich heimwärts trugen, ein Unverletztes das "stehen muß, wenn nicht das Mark verdorren soll, ein Unverletztes aus dedie Söhne des geheimen Deutschland wachsen können und das durch el &nes inneres Gift und inneren Hader mehr gefährdet ist als durch die Fei» 1schaft einer ganzen Welt. Denn diese stählt und ist notwendig nach gsetztem Fug, jener schwächt und macht uns dem gleich, dem wir niemgleichen dürfen: weder dem östlichen noch dem westlichen Menscht^da uns aufgegeben ist das Volk der Mitte zu sein, das Volk des neUschönen Lebens. Wer von solchem Blickpunkt das Kriegsgedicht GeofSliest, wird fühlen, was es verdammte und was es aufrief. Es ist staath c442