SECHSTES BUCH
SCHICKSAL UND GESTALTUNG
D
i.KAPITEL: STAAT-VOLK UND KRIEG
IE Blätter für die Kunst hatten von Beginn ihres Erscheinens ankeinen Zweifel darüber gelassen, daß sie vom heutigen Staate und derheutigen Gesellschaft des Bürgertums kein Heil mehr für unser Volk er-nteten. Indem sie alles Staatliche und Gesellschaftliche, alle Weltver-e sserungen und Allbeglückungsträume schon seit der ersten Folge voner Kunst ausschieden und in der Neugestaltung der Dichtung und derlc hterischen Bildung des Menschen ihre einzige Aufgabe suchten, ver-a ndten sie alle gesammelte Kraft darauf, einen neuen Lebenskern im°lke zu bilden, der unangetastet von den tausend Wirren der Zeit seinachstum entfalten und die Formen eines gemeinsamen Lebens auslt ^em Eigengesetze entwickeln konnte. Da der Geist des Dichters diesene benskeim geboren hatte, so war jeder Sieg der neuen Dichtung auch einle g des neuen Lebens und die scheinbare Zwecklosigkeit und Selbstgenug-at «keit der Kunst, welche die Blätter in den ersten Jahren betonten, be-utete nicht die Abschließung in einem „ästhetischen" Teilbereiche son-er n die unbedingte Pflegung und Hegung des ganzen Lebens, das auslese r innersten Zelle entstehen sollte. Die Erneuerung der Dichtung warctl on di e Erneuerung der Flamme, die zu verlöschen drohte. Die Um-etlr in der Kunst war schon die Umkehr im Leben und die Erweckung' nes neuen Lebensgefühles durch den Rhythmus eines Urgeistes war111 tieferer Aufruhr als alle öffentlichen Kampfformen der Klassen undar teien, war wirklich „ein Bruch mit der Gesellschaft", wie die achte°'&e sagte. Von diesem Blickpunkte aus konnte schon die dritte Folge, *t. 1896) sagen, daß die Blätter insofern bald aus ihren Schranken^austreten dürften, als durch ihr Wirken nun auch von anderen der Tief-a °d der künstlerischen Bildung in Deutschland bemerkt und bedauert,Schon in weiteren denkenden Kreisen empfunden würde: „daß durche au sschließliche Erziehung eines Geschlechtes zu wechselseitigem har-111 Kampfe ein wichtiges Etwas verlorenging — ja schon auf einigenSenden Gipfeln ein dunkles Gefühl dämmerte, es möchte das größte undJ! Clste einer Rasse sein, was da einer allmählichen Verflachung und Ver-c knung entgegenläuft". Der schon erwähnte Jahrhundertspruch des fol-nde n Jahres (V, 1) deutete klar die Richtung an, in der sich die von der
»8
433