"er konnte der frühe Seher erst ganz erfaßt, sein Eigenstes und Unter-scheidendes gegenüber seinen großen Zeitgenossen, sein Wissen und seinSchicksal erst ganz gedeutet werden.
Im dritten Band der „Deutschen Dichtung" vom Jahre 1902 hat Höl-derlin seine Stelle, sofern er mit Ode und Elegie noch innerhalb des Goe-"üschen Sprachraums klassische Gebilde schuf. Das Ebenmaß der Aus-wahl verbot, auch nur alles innerhalb dieser Grenze Wichtige aufzuneh-men. Die Herausgeber hielten absichtlich damit zurück, ihre Ahnung vom"Ölderlin jenseits dieser Grenzen zu äußern. Diesen Hölderlin ganz sicht-ar zu machen, bedurfte es äußerlich der Textfunde die damals noch nichtsetan waren, und innerlich des Augenblicks der vom gegenwärtigenchicksal aus die Weissagung verständlich machte. Nachdem beides ge-chehen war, wandelte sich das Bild Hölderlins in der Dichtergemeinschaft^r Blätter.
Nach Strecken langen Schweigens über ihn hatte die Wissenschaft der
e tzten vierzig Jahre sich viel mit Hölderlin beschäftigt. Aber erst durch
nr en feinsten und vorgerücktesten Vertreter: Wilhelm Dilthey nahm sie
nt eil an dem Wandel des Hölderlin-Bildes — seine Studie aus dem Jahre
866 verspürte davon noch nichts. Als er 1906 in dem Buche „Das Erlebnis
nc < die Dichtung" die bedeutendste Darstellung Hölderlins gab, die bei
er Einreihung seiner Gestalt in das Jahrhundert und den Machtbereich
es Goetheschen Geistes denkbar war, kannte Dilthey die Dichtungen
eorge S und diesen persönlich schon seit mehreren Jahren: er hatte einige
Spräche über Dichtung mit ihm geführt, ihn auch eigne Gedichte lesen
° re n und war bei einer Lesung des „Goethespruches" erschreckt vor die-
111 neuen Bilde Goethes zurückgewichen. Damals fügte er seinen frühe-
en Studien über die Klassik die neue über Hölderlin hinzu. Der erste Satz
le ser Studie: „Es ist ein alter Glaube, daß in unberührten Seelen die Göt-
r s ich kundtun und die Zukunft der Dinge offenbaren", sagt uns, daß der
rte Spürsinn dieses Gelehrten mehr erahnte als sein vergleichender For-
. "ersinn dann im Verlauf der Darstellung erschließen konnte. Schon um-
Sse nder äußerte sich im nächsten Jahre (1907) in einem kurzen Aufsatz
r "Beweging" Albert Verwey über Hölderlin. Hier sprach zum ersten-
. al ein Dichter über den Dichter, den er in der Jugend schon geliebt, der
• ^ dann entschwunden war und den ihm nun, wie er erzählt, in diesen
j, en seine deutschen Freunde wieder näherrückten. Hatte er früher von
111 d as alte Bild des romantischen Träumers gehabt, bei dem seine Weh-
z Ut Befriedigung fand, ein Bild, zu dem auch Dilthey trotz aller Ansätze
^ höherer Deutung der Erscheinung immer wieder zurückkehrte, so
^nte Verwey nun Hölderlin den Vorgänger der neuen Dichter, den
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