Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
414
Einzelbild herunterladen
 

chen zu besiegen: wechselnde Formen für wechselnde Ungestalten vonheute und je.

Aus diesem dichtesten Kerne der Liebe in ihrem gegenwärtigen Blühensind die Gedichte des letzten Paares hervorgegangen. In den früheren,schon reiferen Alters waren, mußte George erst das ganze Jahrhundert tot-schlagen, um sie ganz in seinem Geiste umzuschmelzen, bei den jüngeren»mochten auch hier Geschlechterschlacken ältester zähester Art zu bewäl-tigen sein, war das unmittelbare Gift der Zeit noch nicht in die Seelen g e 'drungen und junge Saat gedieh in ihnen auf jungfräulichem Boden. s °blühte die meisterliche Zeugung in diesem Paar, das aus den entferntestenGauen Deutschlands aus Nord und Süd durch die lenkende Hand mitsam-men wuchs, am schönsten und reinsten auf. Die ersten Söhne des Innen-reiches, die ganz vom Trieb beseelt waren, das Gleiche zu wecken und zwirken, was der Eine in ihnen geweckt und gewirkt hatte, die schon vomDrang des Minners erfüllt waren, die junge Glut, die in ihnen brannte»weiterzupflanzen. Beide Söhne der Freundschaft und bald schon Meisterder Freundschaft und doch bei gleichem Wirken von tief verschiedeneArt, wie die Gedichte zeigen. Der eine aus schwerer in sich verstrickteJugend nur langsam aufreifend, jede Darstellung und Schaustellung seineselbst nach außen vermeidend, das umhüllte Innere vor jeder Aufsch»ßung behütend und sich ganz erfüllend mit einem Tun und Ziel. Stegehalten und doch stets glühend, in allen Dingen nicht aus Mangel sondeaus Trieb zur sicheren Regelung haushaltend und ordnend, aber überstrmend mit der gestauten Fülle, wenn die Stunde der Trauer oder des GWkes ihn löste. Er ist von der spielenden Sicherheit dessen, der seiner b

wiß ist, und dem leichten Spotte dessen, der auf vieles verzichtet, um J

Ver-wesentlichen jedes Abenteuer wagen zu dürfen: ein unaufdeckbarer v

schwörer mit der Geste des heiteren Weltmannes, ein heimlicher Erober

der nur den Sieg liebt aber den äußeren Triumph verschmäht. Wo die- 5

im Gedichte noch verhüllt, wenn er sein Tiefstes sagt, offenbart der an

noch sein Letztes, wenn er verhüllen will. Als Knabe mit dem Gescn

grollend wird er durch den Meister spielender Herr des Geschickes,

freilich das schöne kühne Spiel auch mit allen Bußen und Niederlagen

zahlen muß. Seine Gebärde ist die des verwegenen Ergreifens, der Ber

schaft zu jeder kühnen Fahrt, er handelt aus triebdunkler Leidensc

ohne Besinnen um Not und Gefahr, auf jedem Plane das Höchste wag

um beim Mißlingen mit unverwüstlicher Hoffnung auf die nächste w ^

auch noch so ferne günstige Stunde zu warten. Ein Vielbegehrender

Vielverschwendender, dem das Wenige zu schal ist und das Meiste k

genug.

414