1907 in der „Beweging", Robert Boehringer im zweiten Jahrbuch (i9 Ii2 'über das Hersagen von Gedichten gehandelt, Hugo Eick in seinen Au»'sätzen „Vom Erbe des Rokoko" und „Über den Vortrag von Werken desGeistes und der Kunst". Die neu gewonnene rhythmische Lebensäußerungwar dem einen als edle Maßhaltung die höchste Lebensbewegung über-haupt, dem andern in der Unterwerfung unter das dichterische Gesetz undem Verzicht auf persönliche Eigenheit der fruchtbare Bann, der die Emp'fänglichen aus dem chaotischen Einzeldasein in ein geordnetes größereLeben reißt, dem dritten das liturgische Pathos, auf dessen Wellengangder tief verborgene Grundstrom der Seele sichtbar wird: ihr Traum- unNachtreich, in das der Geist noch keine erhellenden Strahlen gesendet ha •Besonders aber schien allen dreien nötig, das Hersagen gegen die verfasehenden und flachen Vortragsarten der Zeitgenossen abzugrenzen, g e 8 edas verblühte schauspielerische Deklamieren oder das sentimentale heuer»lerische Rezitieren, gegen das „natürliche" schnabelgewachsene Gewäs coder das ebenso „traurige Surrogat der Rede", das Still-für-sich-Lese°der Gedichte.
Die allstoffliche Wissenschaft, wenn sie auch nicht mehr ganz verstan >um was es sich hier handelte, hatte genug Nachrichten gesammelt, ■denen sich erkennen ließ, daß die hohe kultische wie weltliche Dichtungbis in die jüngste Zeit stets in getragener schwebender Bewegung vorgtragen wurde. Vom „maa-chern" der Ägypter, wie die dem Thot geweinrichtige Stimmführung hieß, und dem Wunder der Einheit vom Wort uTon bei den Hellenen bis zu dem „Sagen und Singen" der mittelalterli cnDichter, vom Raunen der Zaubersprüche und Murmeln der eddisenKultlieder bis zur liturgischen Stimme der Kirche, vom feinen Sprechzaber der Comedie frangaise bis zur hohen pathetischen EintönigkeitEngländer konnte man bei aller Verschiedenheit der Zeitformengleiche Gesetz der ursprünglich dichterischen Vortragsweise verfolgAuch für die deutschen Dichter vor und während des Jahrhunderts O*thes von Ramler und Herder bis zu Lenau, Keller und Leuthold Heß s1 ..die befremdende „Art von Gesang" nachweisen. Aber sie war den Zurem schon meist als „Monotonie" oder „pathetischer Singsang" erschi eund sie vermochten den dunkelbeschwingten Flug der Seele darin r»mehr wahrzunehmen. Bald danach versagte das Verständnis der ernterten Geister völlig vor der ihrer Welt so fremd gewordenen rhy*sehen Feierlichkeit des dichterischen Tones. „Der Grund" schrieb die a cFolge der Blätter, „weshalb man in den stärker romanisierten La 0 .verhältnismäßig gut, aber gerade im Land der Dichter am wenigsten .was ein Gedicht ist: man ist bei uns nur gewohnt, sinngemäß, skand' e396