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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Schwingung des ganzen Menschen und einer ganzen Gemeinschaft vonsolchen bewirkte, die von einem Geiste beseelt zusammen waren. Auf die-sem einheitlich schwingenden Grund wurde jede Wucht und zarte Stu-fung des Menschlichen leiblich sichtbar und die Sinne schärften sich f urdie hinreißende Kraft im bezaubernden Vielklang des Chores, für die ver-haltene Glut im Wechselgespräch, für die keusche Einfalt der Einzel-stimme. Dieses Besessensein von einem Rhythmus bei klarster Helle desSinnes, dieses Versunkensein in einem Tone bei frohster Blühkraft desBlutes läuterte bis in die letzten Fasern: eine Reinigung ohne Reue undGenugtuung, eine Wandlung ohne Brot und Wein, eine Vereinigungnicht durch Einzelzehr, sondern durch die gemeinsame geistige Erschüt-terung im dichterischen Gotteswor^.

Nach dieser Begehung begab sich jeder wieder stärker und freudig eran sein Tagwerk, sein berufliches Tun, das keinem erspart blieb und "was uns hier allein angeht an dichterische Eigengestaltung oder Über-tragung, an Untersuchungen über zeitliche Streitfragen oder die reichenGebiete des vergangenen Lebens, dessen neugesichtete Schätze in denFluß der Gegenwart zurückzuführen waren. Das Raunen und Munkeinder Außenwelt über Orgien in seidenen Gewändern, an dem nur die einEmpfindung richtig war, daß sich da etwas abspielte, was es sonst nie»gab all dies und schlimmere Verleumdung kümmerte sie nicht. umihre innere Welt lag ein eiserner Ring, der sie jedem unberufenen Augundurchdringlich, jeder bloßen Neugier unantastbar machte, aber die dien'terischen und wissenschaftlichen Werke dieser und der kommenden Jan rgaben genugsam Zeugnis von der Ausstrahlung des glühenden Kernesden ganzen Raum der Geschichte und Gegenwart.

Wir sahen George selber in unablässigem Schaffen diese Arbeit tun, enahm zugleich an allen Arbeiten seiner Freunde fördernd und belebenAnteil, vor allem unmittelbar und jede Zeile prüfend auch an der neueÜbersetzung der Shakespeareschen Dramen, die Friedrich Gundolf unternommen hatte und in neun von Lechter schön und würdig durchgformten Bänden von 19081914 fast zu Ende führte. Wir erwähnten*mal, daß nach der strengen Durchformung des sprachlichen BauesTEPPICH DES LEBENS in der Fortführung dieser Linie die Gefahr be-stand, es möchte der Bildnerwille des Dichters zu tyrannisch werden udie Strenge sich zur lebenzwingenden Härte steigern. Mit dem SIEB 11 'TEN RING sahen wir diese Gefahr beschworen, die Alloffenheit und MWirklichkeit der geistigen Welt war größer als je zuvor geworden undgab für den Herrscher dieser Welt in dem ganzen Räume der Antike undes Christentums keine geistige Kraft mehr, die er nicht wagen konn392