Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
386
Einzelbild herunterladen
 

Schwäche- und Trugerscheinungen mißratener Körper und verzweifelterSeelen, die einen stillen Hafen für ihre geminderten Kräfte suchen oderihren Hunger mit gesollt unerreichbaren Zielen füttern: der ewige Friede,eine bewußte Verlockung mit dem kleinen behaglichen Glück der Einzel-nen und dem unfaßlichen Wohl der Menschheit, bewußte Bekämpfung desheldischen, opferwilligen, kämpf- und todbereiten Menschen durch dieSchiefen und Scheelen oder Zu-kurz-Gekommenen, denen der Neid vorallem Schönen und Großen schon die Züge verzerrt und gebrandmarkthat; die religiöse Sehnsucht, eine Angst vor der Leere und eine größerenoch vor der wirklichen Erscheinung des leibhaftigen Gottes und darumein Flüchten ins All, ins Unbekannte oder am liebsten ins Nichts, dasüberall Gott ist, aber weniger gefährlich und weniger verpflichtend alsder Holzklotz den die Wilden verehren und anbeten. Aberder Hungerder Pferde macht das Gras nicht wachsen" wie das Sprichwort sagt, undeine Menschenart die heute nicht findet wo der Gott ist, wird ihn auch irr*nächsten Jahrtausend nicht finden können. Weil die Wenigen ihn gefundenhatten, durften sie das Falsche falsch und das Morsche morsch nennenund wenn man auf ihre frischen Angriffe gegen die Widerweit fragte-Warum nicht warten bis das morsche Gebäude von selbst zerfällt?" s °antworteten siewir glauben wohl, daß jetzt noch Reste von alten Sub-stanzen erhalten sind, die man noch nicht abwirschaften konnte. D eletzte Zeitpunkt für ihr Inkrafttreten ist freilich da. Denn schon ist degemeinste Gedanke des Menschen, die moderne Gesindelhaftigkeit seeben unsere Form der Größe, durch den noch gemeineren unterböteworden, auch alle frühere Größe sei nur verkappte Gesindelhaftigkeit. Nacweiteren fünfzig Jahren fortgesetzten Fortschritts werden auch diese W*ten Reste alter Substanzen verschwunden sein, wenn es keine anderemehr als mit dem fortschrittlichen Makel zur Welt Gekommene & 'wenn durch Verkehr, Zeitung, Schule, Fabrik und Kaserne die städtiscfortschrittliche Verseuchung bis in die fernste .Weltecke gedrungen undie satanisch verkehrte, die Amerikawelt die Ameisenwelt sich endgült'»eingerichtet hat. Wir glauben, daß jetzt weniger darauf ankommt, ob elGeschlecht das andre unterdrückt, eine Klasse die andre niederzwingt. eKulturvolk das andre zusammenschlägt, sondern daß ein ganz anderKampf hervorgerufen werden muß, der Kampf von Ormuzd gegen Anmann von Gott gegen Satan, von Welt gegen Welt". (J. III.)

Aber nichtdie unerhörten Behauptungen und Übertreibungen" im elzelnen sondern daß sie sich selbst und die anderen sie in diesem KamPals bestimmte Einheit fühlen und sehen lernten, war das Wirksamstediesem Vorstoß nach außen. Denn was ihnen in der Unbedingtheit m r386