Druckschrift 
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

s en seines Werkes. Die Romantiker freilich erspürten gerade hier ein ihnenVerwandtes, tauchten mit süchtiger Neugier in die Qualen der Hölle einund gaben diesem Bereich in A. W. Schlegel den ersten dichterischen Über-setzer. Aber das Chaotisch-Aufgewühlte und Gegenweltliche, das sie alsWesentliches anzog, war nur ein fest und willkürlos in das große Rund des^anteschen Reiches eingeordneter Teil und gerade die sichtbare Gesetz-hchkeit, die unerbittliche Strenge und südliche Leiblichkeit seines Bauesün d die Leidenschaftlichkeit seines Staatsgefühls blieben ihnen fremd undunerreichbar. So weckten sie zwar den Anteil der Deutschen an Dante, derlm 19. Jahrhundert von Gelehrten und Schriftstellern mit Eifer erforschtUn d mit liebendem Ernst übertragen, aber nicht als geistiges Gut für unsereAchtung gewonnen wurde. Erst der ebenbürtige Dichter, der noch aus demfahrenden Schöße der katholischen Kirche kam und zugleich das welt-'che Erbe der Dichter, Denker und Täter dieses Halbjahrtausends in sichru g, konnte die undurchdringliche Einheit der Dantesken Kräfte, die pla-nsche Gestalten- und Gebärdenschöpfung bei höchster zartester Durch-Seistigung ganz erfassen, erst der selbst seiner Muttersprache neues Feuern d neue Formen gab und wie jener aus den Barbarismen sie aus Verwahr-ung und Verwilderung zum meisterlichen Werkzeug läuterte, konnte die^' ü t und Dichte des fernen Schöpfers spüren, erst der einsam mit seinen° r dernden Gesichten mit dem gleichen unerbittlichen Willen im Verehrenn d Verwerten vor einer Widerweit von größerer Wirrnis, wilderer Zer-Phtterung als der Dantes stand und aus den tiefsten Schatten in die HelleEkelnden Lichtes stieg, konnte den hohen Ton der göttlichen Komödie^ a «z umgreifen und die Vermählung zweier Zungen von solcher Ferne undre mdheit wagen. So sehen wir im TEPPICH DES LEBENS, dem Raumes strengsten dichterischen Baues, den Namen des großen FlorentinersUe rst erscheinen und seit der Jahrhundertwende Georges Übertragungenac hsen, die zunächst nur umfaßten, was seine Seele am innigsten aus dem,e senwerke berührt hatte: die Erscheinung des Dichters als des Leidendennd Liebenden unter Dichtern, Gefährten und Führern, die strahlendenJe sichte des irdischen Paradieses und der lichtflutenden Himmelsrose. In'' a nte und das Zeitgedicht" spiegeln diese Sinnbilder Dantes das eigene. a und Nein Georges zum Welt- und Zeitgeschehen wider und seherisch®* schon das Kommende in die Gleichläufigkeit ihrer Schicksale einbezogen,eorge teilte mit der Gleichheit des geistigen Schicksals und Ranges zu-ei ch die verwandte sprachliche Formkraft mit Dante: die vom Katholi-ls mus genährte hieratische Strenge, die klare bis auf den Grund ehrliche"Kernigkeit der Bilder, die geschlossene Gesetzmäßigkeit im einzelnenle gesamten Aufbau, die südliche Helligkeit und leibhafte Dichte, die un-

373