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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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371
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boldt und Friedrich Thiersch ihre schönen Übertragungen der Siegeslieder.Sie waren getragen vom Atem der deutschen Klassik, dem großen Atem desErwachens schöner frommer Weltlichkeit. Aber wieweit war ihre deutscheWirklichkeit noch von der Erdenherrlichkeit des Griechen entfernt, welcheAbgründe klafften zwischen ihren allegorischenGöttern Griechenlands"ü nd den allgewaltigen Mächten der Natur, zwischen ihrem humanen Welt-bürgertum und den antiken Kräften von Volk und Vaterland, zwischenl brer fast privaten Freundesliebe und der staatlich-männlichen Zeugung inKnaben und Jünglingen, Dinge die wir nur als fernen Mythos erfuhrenü «d auch im einzigen Heros der Zeit nicht voll verwirklicht sahen. Einzigln Hölderlins Seele hatten sich die Klüfte geschlossen und rauschte diePutsche Götter- und Freund- und Heldenhymne mit ungebrochenem Sie-

Sesjubel aus der Lust seiner Einsamkeit in den Traum seiner Zukunft.

E'ln zig in Hölderlin fanden daher auch Pindars Hymnen, trotz aller Ver-

töße, die er dem Wortverstande nach beging, den ihnen ebenbürtigen

^bythmus, die unvergleichliche Dichte von Gehalt und Ton, die Einheit

0n dichterischem Schauer und heldischer Wirklichkeit.

Aber wie seine eignen, so gingen auch seine Pindarhymnen nicht in den

e 'b unseres Volkes ein und die alles kennende Wissenschaft des 19. Jahr-

ü nderts kannte sie nicht einmal. So ruhten sie in der Verschlossenheit,

a hrend das hohe klassische Gut nicht vermehrt sondern verschlissen wurde

n d wie hundert andere Bereiche auch das der Pindarübertragung in jener

eit bei wachsenden Erkenntnismitteln ein stetiges Verflachen des dich-

er >schen Wissens, ein immer schlimmeres Verdünnen des heiligen Sinnes,

^ n völliges Verkennen der großen Haltung des göttlichen Hellenen zeigte.

We r verstand noch was Herder einst von ihm sagte?Priester der Adra-

ste a! lehrender Bote der Götter, Pindar, wie erquicken deine Gesänge! wie

^Untern und erheben sie den Jüngling! Entrissen fühlt er sich in dir

ln er namenlosen trägen Zeit, seinem götter- und heldenleeren Stamm

bissen, unter Jünglinge versetzt die ein Vaterland, die Gefühle der Ehre

j? tten > die auf der Bahn seines großen, ja göttlichen Ruhms nach dem

Uster großer Vorbilder oder Vorfahren Körper und Geist tonmäßig zu-

air >men übten. In dir sieht er ihre schönen Glieder, hört ihre hohen Gesin-

Utl gen von dir, edler Herold, die du ihm bald als einen güldenen Becher

1 st ärkenden Weins, bald als eine heilsame obgleich bittere Arzenei dar-

eic hst. Dem Müden wird deine Lehre ein erquickendes Bad, da er in deinen

Schichten zwischen Bildsäulen und Bildern wie in einem Königspalast

°hnt. Und am Ende der Laufbahn stehen immer Herkulessäulen mit der

^ ü fSchrift: ,Bis hierher! Strebe nicht weiter!' Ungemein fern sind die von

ltl <3ars wahrem Geiste und seiner tiefen Einsicht, die ihn, nachahmend

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