Keine Wundergeschichte ist schöner und seltsamer als diese: Wie Der-leth nach dem erwähnten Gespräch über ein gemeinsames Handeln andem offenbaren Geheimnis des meisterlichen Wirkens vorübergehen aberdennoch dessen Winke folgen mußte und ihm freiwillig seine Gedichtefür die Blätter gab. Er tat dies einige Jahre lang, bis er plötzlich sagte:„Ich mache keine Gedichte mehr. Ich würde sagen meine linke Handwußte nicht was meine rechte tat". War es ein Almosen, das er gegebenhatte oder verbarg der Kluge stets Verhüllte unter dieser biblischenGeste des Almosengebens eine Enttäuschung, daß seine Gedichte nie«aller Blicke auf ihren Schöpfer gezogen, daß die Huldigung der Jugenddem blieb, der sie ruhig in seinen Kreis gezogen hatte? Jedenfalls war eskein Scherflein sondern ein unerhörter Reichtum, der in diesen 43 Ge-dichten der siebenten bis neunten Folge den Blättern geschenkt wordenist. Und einzig hier in dieser einen halbfreiwilligen Gabe wurde die ganzeDichte seines einsamen Lebens sichtbare Leuchte, seine strenge Führungheldischer Ruf, seine fromme Glut lebendig zeugende Macht. Diese Ge -dichte von metallischem Glanz und erzgefiedertem Klang, die heute noenkaum in Deutschland jemand kennt, zählen zu den kostbarsten Schätzeunseres Schrifttums. Sie bergen den Gehalt einer Seele, die in ihrem Zeit*gefühl der Georges fast entgegengesetzt war, aber ihr glich in der Forderung heldischen Menschensinnes und in der Schauung gotterfüllteWelt. So eigengesetzlich diese Gedichte Derleths sind, es mußte d"Sphäre des SIEBENTEN RINGS vorhanden sein, damit sie erzeugt wer'den konnten und wenn Derleth vielleicht daran gedacht hat, durch seinStrofen die Blätter zu sprengen, so mußte er bald erkennen, daß seiWort und Ton schon dichterisch von dorther bestimmt war, daß es einandre Form ein Urerleben in dieser Zeit zu äußern außer der Georgnicht mehr gab. Zwei Sätze, die er uns kurz vor dem Weltkrieg auf eiAnfrage schreiben ließ, bestätigten diese Einsicht auf seine kurze bündigArt: „Seine Meinung wolle er in die Worte zusammenfassen, daß Georgals einziger Heutiger die volle Magie des Wortes besitze. Er wolle diin aller Wucht und Ausdehnung verstanden wissen".
Mit Verwey und Derleth kreuzen in der achten und neunten F°-fauch andere Gefährten zum letzten Male die Blätter: Karl August Kl elmit dem schönen Begrüßungsspruch für die siebente Folge und deTrauergedicht „Die Verbannung", der Besiegelung eignen Schicksals, dnoch einmal an die Folgerworte seines frühen Sendschreibens erinne„Der Schreiber dieser Zeilen sagt auch hierbei, daß er nie einen anderAnspruch hat als diesen: der jungen Bewegung seinen Arm geliehenhaben als nur wenig andre sich darboten". Dann Lothar Treuge «n362