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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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geistige Luft über eine noch jungfräuliche Erde, wo auch der Fremdestebald heimisch wurde und sein Bestes mit ihrem eigentümlichen Zauberverschmolz.

Durch die Straßen dieser Stadt gehend hörte George um die Jahr-hundertwende einen Ton in seinem Innern, der ihn tief betraf. Es warnicht wie sonst ein melodisches Maß, die Vorstufe einer Dichtung an-deutend, sondern ein anderes als bisher: ein heldischer Ruf, herrisch tö-nend, unter dem die Plätze und Menschen ihm verwandelt und andre &isein schienen als er sie kannte. Als der bewußte Mensch noch in unlös-lichen Zwängen stand und schweren Kämpfen um Werk und Leben ent-gegenging, hatte sich seinem inneren Suchen schon ein neues offenbartund die dunkle Seele bereitete sich auf den Empfang eines Großen Un-geahnten Rettenden vor.Denn wo gefahr ist wächst das rettende auch.'Dieses Vorüberwehen des Göttlichen, der das Haar berührte oder di eSeele beben machte, war gottgläubigen Zeiten ein bekanntes Geschehenund konnte die Griechen nicht erstaunen, welche an die sinnliche Gegen-wärtigkeit der Götter unter ihnen, noch wahre Christen, welche an dieewige Gegenwart Gottes im Sakrament ja im ganzen Weltall glaubten-Es gehen auch heute noch Götter über die Erde, aber die heutigen sehenund fühlen sie nicht mehr. Denn daß der Betroffene Ruf und Strahl ver-nehme muß er offen und geweiht sein für der ihren einen, ja daß eine gött-liche Begegnung eintrete, muß der Empfangende mit dem Zeugendengleicher Artung sein, erst aus beider Kraft wird das ewige Bild ins I r "dische geboren und ohne die innere Bereitschaft hätte George den neuenKömmling nicht gesehen, ohne den heldischen Ruf hätte er ihn s o nie» 1sehen können. In dieser Zeit beschäftigte ihn öfter die Traumvorstellunges gäbe in Deutschland auf irgendeinem Schloß einen Knaben, der nu rvon den Seinen gehegt ganz rein von allen Anwürfen der Zeit aufg e "wachsen wäre ihn müsse man finden. Aber das Schicksal zeigte, da»solches Wachstum mitten in der Großstadt und mitten im bürgerlichenLeben ebenso möglich war, und eines Tages in der zweiten Hälfte desersten Jahres des beginnenden Jahrhunderts kam ihm in München dieserKnabe entgegen, wie er uns selbst geschildert hat.Wir hatten eben d» emittägliche Höhe unseres Lebens überschritten und wir bangten bei' 11Blick in unsre nächste Zukunft. Wir gingen einer entstellten und er-kalteten Menschheit entgegen die sich mit ihren vielspältigen Errunge 0 'schatten und verästelten Empfindungen brüstete, indessen die große T»und die große Liebe am Entschwinden war. Massen schufen Gebot unRegel und erstickten mit dem Lug flacher Auslegung die Zungen deRufer die ehmals der Mord gelinder beseitigte: unreine Hände wühlte310